Vor dem 18.Mai

Klaus Stöhlker

Klaus J. Stöhlker*

Als älterer Mensch, der viel zum Aufbau der heute reichen Schweiz beigetragen hat, muss man besorgt sein über die neuen Entwicklungen. Es gibt Gründe, misstrauisch zu sein; einige seien an dieser Stelle aufgeführt:

– Die privaten Pensionskassen, in welche wir alle fleissig einbezahlt haben, sind mit einem Deckungsgrad von über 100% gut finanziert. Besser könnte es immer sein. Aber die staatlichen Pensionskassen, obwohl wir Steuerzahler schon Milliarden in sie investiert haben, um Lücken zu decken, sind weiter in einem schlechten Zustand. Sie sind unterfinanziert. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir für die ohnehin bestbezahlten staatlichen Angestellten und Beamten, die heute oft mehr verdienen als Menschen in der Privatwirtschaft, künftig noch mehr Steuern bezahlen müssen, um deren Altersferien in Thailand oder Spanien zu finanzieren.

–  Am 18. Mai sollen wir dem Kauf der schwedischen Gripen-Kampfflugzeuge zustimmen, was weitere 5-6 Milliarden Franken kosten wird. Sogar die Freunde des Gripen sagen nur: „Besser als nichts.“ Die Schweiz braucht einen Gripen so wenig wie U-Boote im Bodensee oder im Léman. Käme es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, wären unsere Kampfflugzeuge im besten Fall nach 14 Tagen erledigt, zumal Bundesrat Ueli Maurer uns alle schon hat wissen lassen, wo er sie stationieren will. Achtung, Feind hört mit. Er wird bei einem Angriff nicht warten bis unsere Gripen, die keineswegs die schnellsten Kampfflieger sind, volle Flughöhe erreicht haben.

–  Von Links kommt der Vorschlag, ein monatliches Grundsalär von Fr. 4 000.—einzuführen. Derlei ist kompletter Unfug, können wir dann doch ganze Branchen abschaffen: Restaurateure, Coiffeure, Landwirtschaftsbetriebe. Das Gegenargument, man könne mit weniger Geld in unserem Land nicht mehr existieren, trifft nicht zu. Es gibt ausserhalb der urbanen Zentren genügend geeigneten Wohnraum auch für Menschen, die wenig Geld verdienen. Ein Menschenrecht auf den Besuch von Eventveranstaltungen gibt es so wenig wie ein Menschenrecht auf Ferien an teuren Orten im In- oder Ausland. Unsere Eltern und Grosseltern mussten auch sparen.

Uns Älteren kann man vorwerfen, wir hätten uns zu wenig um die bürgerlichen und linken Parteien gekümmert, welche diese sich verschärfende Misswirtschaft angerichtet haben. Das ist richtig, aber wir hatten wenig Zeit, weil wir arbeiten mussten, und die Parteien wollten nicht unbedingt neue aktive Mitglieder, welche die inneren Zirkel stören könnten. Jetzt haben wir den Salat, denn alles wird teurer: SBB, Energie, der Strassenverkehr und die Taxen auf die Zweitwohnungen. Viele Angehörige der älteren Generation, die nicht in teure ETF’s und Hedge Funds investieren wollen, weil sie richtigerweise annehmen, dies könne für sie riskant sein, werden ganz langsam ärmer. Den schmalen Erträgen auf den Sparkonti steht eine Inflation von 9,2% in den Jahren 2000-2011 gegenüber. Wer dann noch Bankgebühren und Steuern bezahlt hat, hat häufig zehn Minus-Jahre erlebt. Ich befürchte ganz einfach, man will uns, freundlich lächelnd, über den Tisch ziehen. Die alten gültigen Prinzipien von Treue und Anstand haben sich aufgelöst.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

2 Gedanken zu „Vor dem 18.Mai

  1. Christina Bodmer

    Wie lange müssen wir Herrn Stöhlkers Auswürfe noch ertragen? Bis zur Einstellung seiner Kolumne würde ich den Newsletter gerne abbestellen.

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  2. Mey

    Na liebster Klaus Stoelker – wir sind uns vor Jahren begegnet – bei Farner. Sie waren immer ein fairer Partner, aber langsam sollten Sie es lassen, aus der rechten Ecke zu kläffen. Ihre Zeit ist doch ebenso vorbei, wie die meinige oder jene des megaalten Frustis Blocher. Sie haben doch genug verdient – gönnen Sie sich doch etwas Abstinenz.
    Herzlichst Andreas C. Mey

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