Archiv für den Monat: April 2014

Lauf Rädli, Rädli lauf.

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Hauptbahnhöfe, Sammelplätze sind Vorzeigebeispiele kultureller Vielfalt. Heute die auffällige Tatsache: Kaum ein Ort von Ruhe, kaum der Ort für Pausen.

Ein statuierendes Exempel, ein Momentum? Über dem HB-Hauptdach, der elektrifizierenden menschlichen Drehscheibe ein schützendes Gitter analog einem Faradayschen Käfig. Erstrebenswert, regulierend ein Zauberstab mit dem Aufruf ins überreizte Getümmel, das Ding mit dem Befreiungsschlag gegen ausufernde Alltagshektik, dortiger Hast. Umgepolt werden ÖV-Nutzer vor der Fahrt liebevoll zu «lahmgelegten Fliegen». Adaptierbar das Beispiel, um nachpubertierende Jungs und Fussballfans im Zaun zu halten. Zwei Fliegen auf einen Schlag, sinnlose Kosten entfallen, überfroh darüber die SBB-Kunden sowie die Öffentlichkeit.

Die gläserne Evolution ist vielfarbig. Sie findet in vorauseilender Schnelle zu uns. Das ist im Heute die gelebte Zukunft. Während der Hauptverkehrszeit gehört das «Vaterunser» und die Elektronik zu uns wie das Amen in der Kirche. Richtig toll sind unsere Gemeinsamkeiten mit all den vielen Kids, kaum auf den Beinen stehend, werden wir miteinander durch den Elektronikdschungel gelotst. Kleinere «Bremsspuren» sind versteckt in Pampers, im eigenen Geldsäckel fehlen uns die «Mäuse». Und Säckelmeisters Jahresberichte/Budgets erzeugen Staunen ob der Beliebigkeit. Toleranz über derart voluminöse Datenkommunikations-investitionen im Vergleich zum Investitionsstau auf anderer Ebene.

Schweizweit in Stadtquartieren Baugruben, wo das Auge hinreicht, als kurvte «Speedy Gonzales» glaubhaft durch die Lande. Dabei verschluckt die Erde effektiv nur Glasfasernetze und Manpower. Nicht geortet wurden bis jetzt professionelle Goldsucher, jene sind beim «Gold-Gusti», oben am Rhein bei Disentis in Graubünden. Dort wird man ruhig reich trotz gieriger Gedanken.

Hier wie dort werden die Gedanken ruhelose ins Archiv, ins Gedächtnis spediert,  individuell sortiert, klassifiziert, wunderbar gespeichert. Sie sind bis auf weiteres vor unlauterem Wettbewerb durch persönliche Duftmarke versiegelt und geschützt. Ja, vorläufig unser Eigentum mit Mehrwert. Der Mensch aber bleibt sein ewiges Forschungsobjekt. Denn geforscht wird «auf Teufel komm raus».

Unausgeruht werden wir zur einfachen Manipuliermasse. Ruhig sein, trotz Umzingelung innovativster IT Geister? Bedeutendes und Bedeutungsloses wird rundum kräftig abgesogen. Es bleibt niemand verschont, nicht beim Sesseltanz, nicht in den Geschäftsetagen, kein Entscheidungsträger, keine politische Szene, keine «uf em Land und bi de Lüt», alle, inkl. Einflüsterer und Plagiatgeier sind im Visier. Das gesamte Geschehen steht im öffentlichen Raum. «Es wird uns an nichts mangeln.»

Lachen ist gesund. Stoppe das Rädli. Mega cool die «Generation Teleboy». Geniesse, wer geniessen kann, spitzbübisch jene Momente der Spassigkeit und Freude. Nehme dir seelenruhig diese Zeit. http://www.srf.ch/player/tv/glanz–gloria/video/unvergessliche-tv-momente-soell-emol-cho?id=908bdcf3-e5fd-4dde-bf34-3528a9055aaf

Ilse Oehler / 28. April 2014

 

Verstehen alte Menschen die Welt nicht mehr ?

Klaus Stöhlker

Klaus J. Stöhlker*

Entsetzter Ausruf einer gut 70jährigen gut gehaltenen Frau, eher eine Dame: „Aber wie das in diesem Büro zugeht, ist unerträglich.“ In diesem Büro geht alles normal zu. Männer wie Frauen arbeiten unter höchster Konzentration mit grosser Anspannung. Es ist wenig Zeit für Persönliches, gemeinsame Kaffeepausen sind längst abgeschafft. Am Monatsende geht es darum, die Zahlen zu erreichen und den Betrieb, wie den eigenen Job auch, zu sichern. Jetzt wird an der Zürcher Bahnhofstrasse auch das bekannte Kaufhaus Manor ausziehen oder eine wesentlich höhere Miete bezahlen müssen. SwissLife, die einmal Schweizerische Rentenanstalt hiess, will neu dreimal mehr Miete als bisher. Manor hat die Mitarbeiter aktiviert, um zu protestieren. Eine es gut meinende alte Chefredaktorin hat eine Interessengruppe gegen die Mieterhöhung ins Leben gerufen. Sogar Ernst Tanner, der erfolgreiche Chef von Lindt & Sprüngli, sagt: „Wir haben an der Bahnhofstrasse nur noch internationale Uhren-, Schmuck- und andere Luxusgeschäfte.“ Das grosse Kapital regiert die Welt, nicht zwinglianischer Eigensinn. Wenn es sich Manor nicht mehr leisten kann, einen Betrieb an der Zürcher Bahnhofstrasse zu führen, muss er gehen. Das ist vielen anderen auch schon passiert. Die Gesetze von „big money“ sind nicht die der Menschen. Bernie Ecclestone, der Inhaber des weltgrössten Autorennbetriebes, ein vielfacher englischer Milliardär, der aus einfachsten Verhältnissen kommt, ist in München vor Gericht der Bestechung angeklagt. Er antwortet: „Schon einmal haben mich in London deutsche Bomber attackiert.“ Ecclestone weiss, was in England gilt: „Gesetze sind für das Volk.“

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Mut zum Genuss

Klaus Stöhlker

Klaus J. Stöhlker*

Oft begegnen mir Menschen, die ich schon lange kenne. Sie werden immer älter, dünner und meistens auch schwächer. Aus langen Wanderungen werden kurze; zuletzt bleiben Spaziergänge über immer weniger besonnte Wege. Diese Menschen ziehen sich langsam zurück, ganz wie Bäume im Herbst; zuletzt sind sie einfach nicht mehr da. Dem will ich entgegen halten, dass der Mut zum Genuss ein wichtiges Element gerade für ältere Menschen ist. Gut essen und trinken, genussvolles Zupacken aus einem  schön angerichteten Teller, das sind Erfahrungen, auf die man nicht leichtfertig verzichten sollte. Viele Jahre war es Mode, und bei jungen Menschenm wie Models ist es immer noch so, dass man nicht nur schlank, sondern überaus schlank sein musste, um in der Öffentlichkeit zu gefallen. An die Stelle der kräftigen Mädchen und Männer vom Land traten ausgezehrte Gestalten, wo jeder fett tragende Körperteil auf sein Minimum reduziert wurde. „Man kann nie reich und mager genug sein“, sagten schon vor dreissig Jahren die Frauen der amerikanischen Elite. Sie, die sich pflegen und gut essen konnten, wurden zu schlechten Vorbildern für Menschen, die sich das nicht leisten konnten.

Heute wissen wir: Etwas Fett auf den Rippen ist gerade für ältere Menschen wichtig. Werden sie einmal krank, was wahrscheinlich ist, hat der Körper noch jene Masse, die er braucht, um überleben zu können. Ja, der nach heutigen Massstäben etwas dickere Mensch hat die besseren Überlebenschancen. Wer gut isst und trinkt, sollte auch Sport treiben. Heute gibt es überall Fitness-Studios, wo man die Muskeln bewegen und erhalten kann. Der Körper braucht lange Spaziergänge, aber er muss auch von seinen eigenen Muskeln getragen werden. Altersschwäche heisst häufig nur Muskelschwäche. Dem kann abgeholfen werden. Wer lange stark bleibt, also trainiert, läuft, schwimmt, kann auch kräftig essen und trinken. Das Leben kann genossen werden wie ein 20 Jahre jüngerer Mensch. Das wünsche ich Ihnen von Herzen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

 

Absteller, Aufsteller, Quersteller?

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Ilse Oehler

Auffällig. In einer Woche zwei spezielle Erlebnisse im Telefonverkehr. Die erste Dame, sie hatte am helllichten Tage nur eine schläfrige Stimme, beinahe mundfaul beim Abheben des Telefonhörers, zum Erschrecken. Boing. Meine frohe Botschaft galt ihrer äusserst kreativen erwachsenen Tochter, die gerade ferienabwesend im Ausland weilt. Die Mutter, Verkäuferin im eigenen exklusiven Modegeschäft tätig. Dort muss Stilkunde wohlgemeint integrierender Bestandteil ihres Markenzeichens sein. Spontan das Empfinden:
«Oh Läck Du mir am Tschöppli». Sie hat auch Jacken im Sortiment.

Nächstes Ereignis auch ein «Absteller». Eine Assistentin eines wohlbekannten Chefarztes. Es war der zweite Anruf, bewusst auf das Anliegen Bezug nehmend, zudem nicht als Patientin, in anderer Sache. Es war wieder dieselbe, beinahe nicht hörbare, desinteressierte Dame am Draht: «Oh sole mio».

Und genau hier wird Telefontest vermisst. Bereits als Lehrtochter anno dazumal, heute heisst es Lernende im 2. Lehrjahr, wurden wir im Büroalltag frühzeitig geschult, das Telefon korrekt und stilvoll entgegen zu nehmen. Sogar der urchige Dialekt wurde etwas neutralisiert durch den Lehrmeister, ihn in Ehren.

Wir waren stolz, neugierig, weil sensibilisiert gut und kundenfreundlich zu arbeiten. Korrekt, dabei sachlich bleiben, vor allem mit natürlicher nicht aufgesetzter Freundlichkeit voll unsere Leistung erbringen, auf dem Sprung, den Duft der grossen weiten Welt zu entdecken. Wollen wir sagen, wir lernten einfach ad hoc am Telefon Ware bestellen. Dazu kam es, weil die Schulfreundin hörte, sie war im 3. Lehrjahr, der Chef, Inhaber des Unternehmens, ausser Haus war. Entdeckt hat sie, dass dieser vornehme Herr hie und da stille Abhöraktion bei Mitarbeitenden durchführte. Das verleitete uns dazu diese Chefstation mit all den tollen technischen Funktionen vollständig auszutesten. Wir beschulten uns selber. Nur eigene Testphasen unerlaubter Einkäufe sprich anonyme Rückkäufe brachten uns weiter. Ja, das waren in der Tat spitze geile Aktionen. Der Gegentest lautete: Wie gekonnt verkauft dieser unser Kunde nun als Kaufmann seine von uns erhaltene neue Ware an seine Kundin (an uns zurück). Noch einmal möchte ich so unbeschwert beschwert sein. Der selbst gewählte Stress, die Sache mit der Bestellung mit grossem Herzklopfen durchzuziehen, unter keinen Umständen zu lachen. Ebenso im Bewusstsein, die Schulfreundin verfolgt akribisch genau still und leise das Gespräch. Dieser Schabernack würde heute vor dem Jugendrichter landen. Ihre mir zuerkannte Note für meine Mutprobe, sie war 1A.

Überwachungspraktiken analog Edward Snowden kannte die Telefongesellschaft nicht, sie lässt rückblickend grüssen. Nur wenn «es» ausgekommen wäre, die Schwere des Delikts wäre uns bewusst geworden. Ohne Angabe der Lieferadresse wurde der Telefonhörer vorher leise aufgehängt, jener im Chefbüro und jener der Besteller. Besteller? Wir beide haben die Positionen auch getauscht. Am Telefon es besser machen?

Der verlängerte Arm eines Unternehmens, so klein das Business auch  sein mag, bleibt die Stimme am Telefon. Türen öffnet diese wahrnehmbare Stimme. Wie im Service das Personal der verlängerte Arm des Gastgebers ist. Jene Menschen sind und bleiben stets im Fokus des Geschehens und sind Goldwert.

Überdruss ist normal – und zu verhindern

Klaus Stöhlker

Klaus J.Stöhlker*

„Ich bin der Menschen müde“, sagt der Arzt Sinuhe aus dem alten Ägypten 2500 vor unserer Zeitrechnung. Wer, wie dieser vom finnischen Schriftsteller Mika Waltari beschriebene Arzt, die Abenteuer seiner Zeit durchleben musste, will irgendwann seine Ruhe haben. Er zieht sich an die Küste des heutigen Roten Meeres zurück, dort, wo Samih Sawiris seine Tourismuszentren aufgebaut hat. Heute nennen wir dies Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen. Die christlichen Wüstenväter in Nordafrika beschworen das Gleiche, die „Acedia“.

Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen sind nicht nötig, wenn es im Familien- oder Freundeskreis stimmt und der Mensch eingebunden ist in eine kleine oder grössere Gruppe, die man als Verein oder Gesellschaft bezeichnen kann. Dem steht entgegen, dass viele unserer Familien eher chaotische Gemeinschaften sind, die mehr von der Gewohnheit als von der Leidenschaft zusammen gehalten werden. Es ist die Folge der wirtschaftlichen Globalisierung, denn die Menschen werden von den beruflichen Zwängen durch die Schweiz und die Welt gewirbelt. Wer sich nicht versetzen lassen will, dessen Karriere ist bald beendet. Noch schlimmer geht es heute und in Zukunft den urbanen Singles, die, solange sie noch Energie und Kraft haben, den Anschein eines selbständigen Lebens führen. Sofern ihre finanziellen Mittel die der durchschnittlichen Bevölkerung übersteigen, ist auch etwas Highlife in Davos oder Verbier möglich. Werden sie alt, ist die Depression nicht weit entfernt. Dann locken die humanen Entsorgungs-Institute. Der tröstenden Funktion der Staatskirchen wird auch immer weniger vertraut, denn deren „Menschenführer“, die Bischöfe, streiten sich. Was sich Pfarrer nennt, ist oft unreifes und rasch importiertes grünes Gemüse, dem Reife und Kenntnisse der lokalen Art abgehen. Den Trost in langen Streifzügen durch das Internet zu suchen, mag belebend sein, grenzt aber häufig an Suchtverhalten, zumal tiefere Einsicht in ein Thema nur wenigen Nutzern gelingt.

Was also tun? Da auf Menschen wenig Verlass ist, auch auf „die beste Freundin“ nicht, sind die Wonnen der Hochkultur immer noch der richtige Weg. Wer sich sein Leben lang nicht um Bach, Dvorak und Sibelius gekümmert hat, soll den steinigen Weg auf sich nehmen, deren Werke zu verstehen. Wer mit der Gegenwart nicht zurechtkommt, dem bietet sich immer noch die Geschichte als Weg der Erkenntnis. Es ist gewaltig, was heute in allen Weltsprachen an neuen Erkenntnissen über den Gang der Geschichte auf den Markt kommt. Am Ende steht die Stoa. Das sind die erst langen, dann kürzeren Märsche durch die „grüne Schweiz“, das Sitzen auf einer Bank, von der Sonne beschienen. Ruhe finden, heisst nicht, sich dem Tod zu nähern. Es ist ein Zustand des lächelnden Ernstes, wo der Buddha der Zenmeister sich der Gioconda nähert.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Mit Rucksack unterwegs

ILSE_OEHLER_PORTRAIT_04_QUERIlse Oehler*. «Heute scheint meist die Sonne.» Ende der Durchsage des Meteorologen. «Mehr von NEWS dann später und wenn Sie uns gut gelaunt wie jeden Morgen mitbegleiten…», sagt die Moderatorin. Das hört sich so am Radio. Ob wir uns da ins «Später» wieder einklinken, das sei dahingestellt.

Sie, die Moderatoren begleiten uns, wenn wir wollen jeden Tag, in allen und unterschiedlichen Tonlagen vom Morgen bis in die Nacht am Radio, im TV, durchwegs in Schönwetterstimmung. Sind das Übermenschen in ihrer Leichtigkeit des Seins, die beinahe nur noch mit Negativmeldungen uns «beglücken». Wie frustrierend wird eine solche Arbeit. Entwickelt sich daraus ein «Frusthaufen», wie der Volksmund es nennt. Uns laufen im Alltag, im Büro oder sonst wo, von Angesicht zu Angesicht, auch Frustrierte/Frustauslösende über den Weg. Sie kommen daher in unterschiedlicher Verpackung, oftmals mit aufgesetzter bester Laune. Die vorerwähnte Aussage der Moderatorin versprüht Seelenwärme über den Äther an die Hörerinnen und Hörer. Von welchen Auswirkungen und Annahmen schlechter Nachrichten auf Sprecher/-innen, einbezogen die verantwortlichen Redaktoren, können wir ausgehen. Sie sind die offiziellen Überbringer von News und Tagesaktualitäten aus aller Welt. Gehören patentierte Schutzfilter beispielsweise zu dieser Berufskategorie. Radiostationen sind im HR breit abgestützt, mit eigenen Coachs, möglich auch: Yogalehrer. Oder stellen die teilweise subventionierten Unternehmen Fahrräder zur Nutzung während der Zwischenstunden für Pausen zur Verfügung, für «Kopf-, Kropfleerete» mit Ladegeräten, Wiederaufladung stark beanspruchter Batterien? Werden Sprecher/-innen beinahe integrierte Familienangehörige als sogenannte Übermenschen wahrgenommen. Bei Ottonormalverbrauchern stehen andere Werte.

«Frusthaufen», in einer Runde zirkulierte letzthin dieser Begriff.

Wir alle machen unsere eigenen Wahrnehmungen. Es gibt unterschiedlich viele davon. Und es zeigen sich die anderen Seiten, die gespielte Fröhlichkeit aus der Tube, also jene auf Knopfdruck. Allen Ernstes, ist Beruf Moderator Schauspielerei, Rollenspiel?

Eine geniale Idee: Der Reissverschluss unten Bag.

In Garderoben, im Newsroom, dort liegen haufenweise zugeteilte Rucksäcke. Wir können davon ausgehen, dass beim Verlassen des Studios sich der untere Reissverschluss automatisch öffnet. Auswirkungen: Hinter mir die Sintflut. Alles Negative fällt ohne Stau unten heraus, so auch die Freudschen Versprecher. Und den bei der Entsorgung freigegebene Abfall liegt bei der Schmutzschleuse beim Haupteingang des Senders. Nicht sichtbar, geschmackfrei, unsortiert und nicht registrierbar. Damit gelingt den Moderatoren der tägliche Befreiungsschlag von ihrer moralischen Belastung am gezeigten Beispiel. Die Abfuhrdaten des Entsorgungsamtes sind dort für unsichtbar Hörbares, das gesprochene Wort, einvernehmlich geregelt. Tutti quanti ist in der samt und sonders aufgebrummten Konzessionsgebühr inbegriffen, hier zusätzlich mit Gebührenmarke für Stressabbau.

Das Schöne an einem persönlichen Rucksack

Wie soll uns der eigene Befreiungsschlag gelingen, zukünftig leichten Rucksacks unterwegs zu sein? Angesichts der Zukunftsprognosen, sich warm anziehen, sorgsam im persönlichen Umgang und in überschaubarer Distanz zu ansteckender Hektik. In allen Sparten sind hartnäckige Egomanen unterwegs. Sie kosten Kraft und Energie.

«Was macht nun Sinn, was macht Spass, was lohnt sich?»

Etwas mehr Weile als Eile, gegebenenfalls auch den Radio-Stecker vom Netz für erwünschte Lebensqualität ab 50plus.

 

Zur Person: Ilse Oehler, Jahrgang 1944, aufgewachsen im St. Galler Rheintal, pflegt als Vertrauensperson ein bewährtes, weitverzweigtes Beziehungsnetz aus ihrem beruflichen und persönlichen Umfeld. Ihr Hintergrund ist die langjährige Tätigkeit an der Universität St. Gallen, an der ETH Zürich, als Verwaltungsrätin in Unternehmen sowie in verschiedensten politischen und sozialen Organisationen. Ilse Oehler wird von Organisationen und Unternehmen als Coach und Mentorin beigezogen wenn es darum geht, tragfähige Lösungen zu entwickeln und diese durch Erfahrung, Kompetenz, Kreativität und Kontakte zu fördern. http://www.ilseoehler.ch

 

 

Wut ist ein Menschenrecht

Klaus StöhlkerKlaus J.Stöhlker*. Wir alle sollten öfter wütend werden, denn das ist gut für die Gesellschaft und gut für den eigenen Kreislauf. Wo alle dahin dämmern und die Jugend ihre Zeit auf irgendwelchen Bildschirmen verliert, sollten gerade die älteren Menschen nicht immer nur nett sein, sondern mit einem Wutanfall deutlich machen, wo sie Grenzen setzen.

Der Prototyp des älteren Menschen ist der freundliche Grossvater, ein modern gekleideter Weihnachtsmann, der auch während des Jahres laufend Geschenke macht. Die Grossmutter ist grauhaarig (sind nur geliftete Grossmütter nervös?), freundlich und ermahnt die ganze Umgebung: Kommt früh nach Hause, seid nicht so laut, putzt die Schuhe und die Nase ab.

Meine Freunde, die Amerikaner, gehen noch weiter. Sie haben festgestellt, dass man im Alter die Tugend der Weisheit pflegen sollte. Warum? Wenn die Knochen und der ganze Körper gebrechlich geworden sind, könne man dies nur mit Weisheit überwinden. Das ist typisch amerikanisch, wo man überall den messbaren Nutzen sucht, ganz nach dem Motto „Wer nicht mehr laufen kann, soll wenigstens die Schönheit loben.“ Diese US-amerikanischen Gebrauchswissenschaftler haben keine Ahnung von der Schönheit echter Weisheit, die auch Menschen beflügelt, die noch als Baselball oder Rugby-Spieler körperlich eine Chance hätten. Die Weisheit der Stoiker, die lehren anzunehmen, was nicht zu ändern ist, erlebt seit einer Generation wieder eine Renaissance.

Dem steht die Erfahrung des Wutanfalls gegenüber. Er ist eine Granate, die gegen eine Wand des Unverstands mit dem Ziel geschleudert wird, diese zu durchdringen oder ganz zu bodigen. Ein Wutanfall, auch wenn er sein Ziel nicht völlig erreicht, ist in neun von zehn Fällen eine Entlastung für den ganzen Organismus. Der eine Fall, wo man vor Wut explodiert, ist natürlich ungesund und zu vermeiden.

Daher meine Empfehlung: Haben Sie Mut, den Rest der Mannschaft auf Distanz zu setzen, wenn es angemessen ist und die Chance eines Wandels zum Besseren besteht. Das gilt auch für den manchmal grossen Familienkreis, der mit Wünschen, Hoffnungen und Forderungen an uns Älteren herantritt, die wir manchmal als unangemessen bezeichnen müssen. Wütend darf man auch gegenüber einer Dienstleistungsfirma werden, die gegen viel sauer verdientes Bargeld den Anspruch erhebt, uns zu pflegen. Ist der Service mehrfach hintereinander schlecht, ist die Zeit der Ostergeschenke vorbei. Nicht jede Nachtschwester muss mit einem „Nötli“ versorgt werden, wird sie einmal heraus geklingelt.

Wer in solchen Fällen nach unten tritt, soll es vor allem auch nach oben tun. Wie man als alleinstehender Mensch im Gesundheitswesen zu oft abgefertigt wird, gerade von dem Managern der sogenannten Sozialeinrichtungen, geht oft auf keine Kuhhaut. Ein kräftiger Schlag auf die Tischplatte, aber bitte nicht jeden Tag, kann das Verhältnis Gast/Dienstleister wieder in das richtige Lot bringen. Sie sollten das einmal üben.

Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH