Keine Angst, das Alter ist schön!

Klaus Stöhlker

Diese schreckliche Angst vor den Leiden des Alters ist masslos übertrieben. Die meisten älteren Menschen sind in körperlich und geistig guter Verfassung. Lässt man sie in Ruhe und das tun, was sie eigentlich wollen, sind es sogar mehr vergnügte als missvergnügte alte Menschen, die uns begegnen.

Wenn jetzt einige Sterbehelfer dafür plädieren, nicht nur Kranke, sondern jedermann habe jederzeit ein Recht auf den eigenen Tod, ist das nur Wasser auf die eigenen Mühlen. Unter dem Vorzeichen der Freiheit und der Selbstbestimmung wird der Selbstmord propagiert. Ich habe ihn bisher nur bei kranken, verzweifelten oder von ihren Familien alleine gelassenen Menschen erlebt. Singles zahlen oft einen teuren Preis, der erst im Alter fällig wird.

Natürlich lebt auch die Gesundheitsbranche von uns Alten, denke ich nur an meinen ärztlich verschriebenen Pillenkonsum, wo ich bis heute nicht recht weiss, wozu dies gut sein soll. Ich nehme sie ein wie asiatische Glücksbringer: Bleibe ich weiterhin gesund, ist dies recht so.

Wir werden selten daran erinnert, dass höchstens ein Fünftel aller Alten demenzkrank sind. Vier Fünftel sind gesund, das ist die gute Botschaft.
Wir werden selten daran erinnert, dass vier von fünf alten Menschen keine Pflege brauchen, weil sie in guter Verfassung sind. Sie hatten vielleicht Glück, haben ein vernünftiges Leben geführt oder dürfen ihren Genen dankbar sein.

Wir werden selten daran erinnert, dass zwei Drittel aller Menschen ohne Pflegeversicherung oder ähnlichem leben. Sie vertrauen in ihre Lebenskraft, ein fast idealer Zustand.

Leben im Alter ist für die meisten Menschen wunderbar. Die einen erleben es wandernd, die anderen lesend, einige spielen Golf oder helfen in Vereinen mit. Manche haben sogar Enkel, die sie gelegentlich besuchen. Auch guter Rotwein ist günstig geworden. In den USA ist Marihuana, vielen Alten aus den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch ein Begriff, wieder zugelassen. Leicht bedämmert schläft man besser ein als nach jedem langweiligen Krimi.
Im Alter hellwach zu sein, ist ohnehin ein Luxus. Wozu eigentlich? Die Welt geht ihren Weg, die Schweiz verändert sich zur Unkenntlichkeit. Deshalb pflegen wir unsere fröhliche kleine Welt. Der grossen ist nicht zu trauen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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