Archiv für den Monat: März 2014

Erleben Sie das „Miracle Suisse“?

Klaus Stöhlker

Klaus J. Stöhlker

Die erste Prüfung haben Sie bestanden: Sie verstehen die beiden französischen Worte in der Titelzeile. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn immer weniger Deutschschweizer verstehen ihre Miteidgenossen jenseits der Sarine. Verzeihung, schon wieder ein welscher Begriff, gemeint ist die hinter Bern verlaufende Saane, ein schöner Fluss.

Das „Schweizer Wunder“ war vor wenigen Tagen eine Sendung im französischen Fernsehen. Dort lobten die Berichterstatter den Wohlstand und die Innovationskraft des Schweizer Volks. Die Franzosen seien im Vergleich dazu Nullen.

Es fällt mir schwer, dem zu widersprechen, denn ausser französischen Waffen, Atomkraftwerken und einer sehr schlecht laufenden Automobilfirma, wo jüngst die Chinesen als Retter eingestiegen sind, fällt mir zur Technik aus der „Grande Nation“ wenig ein. Die französische Mode ist mit Karl Lagerfeld längst in deutsche Hände übergegangen. Nur die Hersteller von Käse und scharfen Schnäpsen fallen als Franzosen auf, denn die Weingüter gehören längst Asiaten,

Amerikanern oder arabischen Fürsten. Jede Regel kennt ihre Ausnahmen, wie AXA und Bouguyes, zwei grosse französische Finanzkonzerne, beweisen.

Erleben Sie, ja, ich meine Sie, das „Miracle Suisse“? Sind Sie Teil davon? Das würde mich sehr interessieren. Vielleicht haben Sie früher jene berühmten Maschinen gebaut, die wir in alle Welt geliefert haben? Oder jene Pharma- und Chemieprodukte entwickelt, welche viele in der Welt gesund und manche Schweizer Familie reich gemacht haben?

Ja, und mehr Ordnung als in Frankreich herrscht bei uns immer noch, trotz der Zuwanderung aus Frankreich und deren früheren Kolonien. Jedoch, seien wir nicht kleinlich, nur deutsche Gründlichkeit und amerikanisches Geplapper machen die Welt auch nicht besser. Es braucht jenen französischen Esprit, wie er in Zürich-Gockhausen am Lycée Français gelehrt und praktiziert wird. Die Nation Diderots und Talleyrands ist noch lange nicht erloschen, wie dort die besten Geister beweisen.

Ich befürchte allerdings, und möchte Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, den Tag damit nicht verderben, es stehe nicht mehr ganz so gut um das „Miracle Suisse“ als die Franzosen denken. Unsere schönsten grossen Hotels gehören Ausländern, die beiden Grossbanken sind unter arabischer oder asiatischer Kontrolle, unterstützt von Hedge Funds und ausländischen Pensionskassen. Die 70 grössten Schweizer Firmen sind alle unter ausländischer Kontrolle, hat alt Bundesrat Kaspar Villiger uns versichert.

Vielleicht ist das ein wirkliches Wunder: Wie sehr wir Ausländer bei uns integriert haben. Manche brauchen fünf Generationen, wie diejenige von Dr. Christoph Blocher, um sich an uns zu gewöhnen. Oder wir an sie. Wilhelm Tell war auch ein Ausländer, oder fast einer. Die einen sagen, er war ein Skandinavier, die anderen, er sei ein Abkömmling der Theler aus dem Oberwallis, die als Walser das alte Uri besiedelt haben.

Auch das ein „Miracle Suisse“, ist es nicht so?

 Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Keine Angst, das Alter ist schön!

Klaus Stöhlker

Diese schreckliche Angst vor den Leiden des Alters ist masslos übertrieben. Die meisten älteren Menschen sind in körperlich und geistig guter Verfassung. Lässt man sie in Ruhe und das tun, was sie eigentlich wollen, sind es sogar mehr vergnügte als missvergnügte alte Menschen, die uns begegnen.

Wenn jetzt einige Sterbehelfer dafür plädieren, nicht nur Kranke, sondern jedermann habe jederzeit ein Recht auf den eigenen Tod, ist das nur Wasser auf die eigenen Mühlen. Unter dem Vorzeichen der Freiheit und der Selbstbestimmung wird der Selbstmord propagiert. Ich habe ihn bisher nur bei kranken, verzweifelten oder von ihren Familien alleine gelassenen Menschen erlebt. Singles zahlen oft einen teuren Preis, der erst im Alter fällig wird.

Natürlich lebt auch die Gesundheitsbranche von uns Alten, denke ich nur an meinen ärztlich verschriebenen Pillenkonsum, wo ich bis heute nicht recht weiss, wozu dies gut sein soll. Ich nehme sie ein wie asiatische Glücksbringer: Bleibe ich weiterhin gesund, ist dies recht so.

Wir werden selten daran erinnert, dass höchstens ein Fünftel aller Alten demenzkrank sind. Vier Fünftel sind gesund, das ist die gute Botschaft.
Wir werden selten daran erinnert, dass vier von fünf alten Menschen keine Pflege brauchen, weil sie in guter Verfassung sind. Sie hatten vielleicht Glück, haben ein vernünftiges Leben geführt oder dürfen ihren Genen dankbar sein.

Wir werden selten daran erinnert, dass zwei Drittel aller Menschen ohne Pflegeversicherung oder ähnlichem leben. Sie vertrauen in ihre Lebenskraft, ein fast idealer Zustand.

Leben im Alter ist für die meisten Menschen wunderbar. Die einen erleben es wandernd, die anderen lesend, einige spielen Golf oder helfen in Vereinen mit. Manche haben sogar Enkel, die sie gelegentlich besuchen. Auch guter Rotwein ist günstig geworden. In den USA ist Marihuana, vielen Alten aus den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch ein Begriff, wieder zugelassen. Leicht bedämmert schläft man besser ein als nach jedem langweiligen Krimi.
Im Alter hellwach zu sein, ist ohnehin ein Luxus. Wozu eigentlich? Die Welt geht ihren Weg, die Schweiz verändert sich zur Unkenntlichkeit. Deshalb pflegen wir unsere fröhliche kleine Welt. Der grossen ist nicht zu trauen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Die Welt im Kreiselverkehr

 

ILSE_OEHLER_PORTRAIT_04_QUERZum Blog von Klaus J. Stöhlker „Kümmert Euch um die Enkel!“
Ja, wir Grosseltern und die Unternehmen haben vieles in der Hand wollen wir grossartig sein. 

Der pure Stress fängt für das ganze Umfeld von Mutter und Kind zu frühster Stunde beinahe ab Stillphase an. Eine Momentaufnahme tausendfach gelebt. Ein Dauerzustand?

Babies Rushhour? Zu dieser Zeit wird das Tram mit Kindwagen aufgefüllt. Blicke werden nicht ausgetauscht. Beschwerlich das Werken, erst recht, wenn es dazu noch nass ist. Nichts wie rein in die bereits stehende Menge zwischen Tramtüre und Angel, durchdrängeln bei Berufs- und anderen Leuten. Es horten sich anstehende Kinderwagen. Das Ein- und Aussteigen mit Querverkehr wird zur täglichen Tortur. „Reissverschlussverfahren“ analog Strassenverkehr wird angewendet: Einordnen! Vollständig konzentriert. Sie müssen spuren, die vier jungen Mütter, ohne andere zu touchieren. Einmal fährt jene, dann die andere Mama in ihre Position. Ist die Schwierigkeit gemeistert, bleibt die volle Konzentration bis zu nächsten Stationen. Das zusammengesetzte Konglomerat auf der Tramplattform löst sich dann gekonnt. Verursacher? Der Schlussgong in den Krippen und Horten in der Grossstadt?

Blickkontakte haben hier null Platz. Diese sind auf das Wesentlichste beschränkt mit Blick auf den Kinderwagen: „Augen zu und durch – und ja nicht unangenehm auffallen.“

In der Stehphase gilt:
• Stand im Tram ausbalancieren
• Durchatmen bis zum Verlassen des ÖV
• 3. Kurzabruf der ToDo Liste (evtl. ab Mobile)
gemixt mit Pflichtübungen im Departement „Haushalt + Kids et cetera.“

Wohin strampelt die Welt
Sind die mitfahrenden Fahrgäste in analoger Denke. Verspüren sie Mitgefühl mit den aus welchen Gründen auch immer Geforderten, mit den Ernährerinnen? Gibt es eine Zauberformel für bessere Lebensqualität für die am Handlauf ihres Gefährts tagein, tagaus sich im ÖV in dieser Form Vorwärtsbewegenden?

Wir sind gemeinsam unterwegs. Kritisch über Vorgefallenes nachdenkend, sitze ich bequem eine wunderbare Szene diskret beobachtend. Sie spielt leise vor meinen Augen. Stehend, angelehnt im Tram ein junger bodenständiger Mann in leisem Dialog und mit sich im Einklang. Er korrespondiert mit Blick hin zum Kinderwagen vor mir, fühlt sich unbeobachtet. Jenes mitfahrende Baby ist mir nicht zugedreht. Erst als die junge Mutter sich zum Tram rückwärts hinausmanipuliert sehe ich ein strahlendes Kind. Es verabschiedet sich von seinem weiterfahrenden Gegenüber mit anhaltendem Lächeln bis die Aussenwelt es wieder hat. Stille. Welch ein beherzter Moment für beide Beteiligten. Ein unbekanntes Kleinkind im Kinderwagen im Zürcher Tram, ein unbekannter junger Mann. Nun hat der Alltag alle wieder, auch jene Mama und ihr Baby. Wo es uns glückt, ist ein liebevoller Umgang mit dem Nächsten höchst willkommen.

Der Kreis schliesst sich mit einer Empfehlung. Eintrag in die Agenda der Personalverantwortlichen: „Persönlicher Augenschein vor Ort an Tramstation zu „Babies Rushhour“. Drandenken: Jene Tramstation, dort, wo junge Mitarbeitende mit Kinderwagen einsteigen.

Merke: Beruhigung tritt dann ein, wenn jene Unternehmen durch eigene Wahrnehmung greifende, ganzheitliche Wohltaten erbringen. Kostengünstige und froh machende Alternativen sind gefragt. Jede einzelne davon wird rundum zum Top Gewinn.

Ritalin für Erwachsene

PR Profi Klaus J. Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wer jetzt älter als Fünfzig ist und ein wenig Geld zurück gelegt hat, darf noch nicht sicher sein, das rettende Ufer lebenslanger Sicherheit erreicht zu haben. Erst dann, wenn die Ziellinie durchlaufen ist, meist die Pensionierung, ist man dort angelangt, um festzustellen, dass auch dann der Uferboden wenig gesichert ist. Ich nehme natürlich alle zehnfachen Vermögensmillionäre, von denen es im Kanton Luzern offiziell knapp 500 gibt, davon aus.

In seiner Mehrheit geht das Schweizer Volk davon aus, dass die Zeiten eher schlechter werden. Dies gilt auf keinen Fall für die ehrgeizigen Söhne und Töchter, die bereits Chefärzte geworden sind oder als Unternehmer eine eigene Chance suchen. Der talentierteste Nachwuchs hat bei den grossen Schweizer Finanz- und Industriekonzernen bereits Unterschlupf gefunden und ist bereit, sich im Wettbewerb mit Konkurrenten aus aller Welt zu behaupten.

Eine starke und nach meiner Beobachtung wachsende Minderheit des Schweizer Volkes zieht sich jedoch aus aktivem Tun gerne zurück. Wo früher echte Unternehmer Märkte und Plätze für Mitarbeiter schufen, sind heute Immobilienspekulanten an ihre Stelle getreten. Was von altem Grund und Boden übrig blieb, wird verkauft oder selbst bebaut.

Der Geist der Resignation breitet sich in vielen Landstrichen aus, nicht nur in Graubünden, dem Berner Oberland und dem Wallis. „Nur wer sich beschränkt, wird ein gutes Leben führen“, ist das neue Motto dieser Schonschweizer. Sie werden vom Schweizer Radio und Fernsehen wie auch von den Landeskirchen darin bestärkt, dass hohe Gewinne wenig edel seien, wobei in Vergessenheit gerät, dass der heutige Lebensstandard, den viele geniessen, meistens der Verdienst der Vorfahren ist.

Wachstum der Wirtschaft bei wachsenden Schulden der Öffentlichkeit und der Mitbürger, nennt der Autor Meinhard Miegel „Hybris“. Der Anhänger der deutschen CDU, die er schon vor 30 Jahren auf einen „sanften Weg des Fortschritts“ bringen wollte, sieht die Schuld für den sozialen Stress, dem gerade der Mittelstand ausgesetzt ist, nicht im gegenwärtigen von Boni getriebenen Kapitalismus, sondern in der Entchristlichung Europas, die schon vor gut 500 Jahren eingesetzt hat.

Wir alle könnten uns der inneren Kolonierung, auch durch Informationstechnologie und Datenbanken, nur entziehen „durch Musse und Freude am guten Leben“. Den Vorgesetzten in Staat und Wirtschaft empfiehlt er, „mit einem Höchstmass an Einfühlungsvermögen“ mit uns umzugehen, die wir das „rat race“ erleben. Wir müssten dafür „Improvisationsfähigkeit und Anpassungsbereitschaft“ zeigen.

Von Nils Minkmar, der in der „Frankfurter Allgemeinen“ eine bedeutende Rolle spielt, wird dieses Denken als Grundlage für einen „zeitgemässen Konservatismus“ bezeichnet. „Hybris“, schreibt er, „ist ein super Buch.“ Ich nenne es Ritalin für Erwachsene.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Klaus Stöhlker

Kümmert Euch um die Enkel! Klaus J.Stöhlker*

Meine Freunde, er 82, sind gerade aus den Skiferien in Zermatt zurückgekommen. Seine gestählten Oberschenkel haben den Ritt über die Buckelpisten noch gut ausgehalten. Das längst pensionierte Ehepaar einen Stock tiefer hat sich abgemeldet: Vier Monate Ibiza. Unsere Nachbarn, zwei Häuser weiter, haben Sydney lieben gelernt. Sie bleiben die kommenden vier Monate in Australien.

Das ist gut und recht, aber wer kümmert sich, wenn die Kinder schon gross sind, um die Enkelkinder? Diese bleiben ihren iPads überlassen und bauen sich einen Freundeskreis auf, der mit dem ihrer Eltern und Grosseltern nichts mehr zu tun hat. Schlimmer noch, sie leben nur noch im englisch-amerikanischen Sprachraum, und niemand erzählt ihnen, wie gross Europa ist. Allen in die Ferne reisenden Grosseltern empfehle ich: Kümmert Euch mehr um Eure Enkel, diese 9-16jährigen Wesen, die Justin Bieber für wichtiger halten als Dölf Ogi, die für einen Jass nicht mehr zu gewinnen sind, dafür für einen langen „chat“ oder gleich fünf hintereinander. Die Amerikanisierung unserer Enkelgeneration geht ungebremst weiter. Wer es vermag, sendet seine Kinder auf die „International Schools“ rund um den Zürcher oder Genfer See. Was sie dort lernen, ist „the daily business life“, ganz wie es dem ihrer Eltern entspricht.

In Zürich gibt es eine europäische Alternative, das Lycée Français (www.lfz.ch) in Gockhausen, gleich hinter der Universität und der ETH Zürich. Wer etwas auf sich hält und Europa nicht ganz abgeschrieben hat, sendet seine Kinder an diesen Ort, wo vom Kindergarten bis zur Matur der Geist der französischen Eliteschulen gepflegt wird: Business und Kultur.

Es ist an den Grosseltern, den Weg ihrer Enkel zu begleiten. Wenn deren Eltern unter dem Leistungsdruck globaler Konzerne alleine amerikanisch ausgerichtet sind, müssen die Grosseltern daran erinnern, dass die Aufklärung, welche auch die heutige Schweiz mit begründet hat, französischen Ursprungs ist. Sie müssen an Molière und Richelieu erinnern, grosse Geister der französischen Kultur. Sie sollten ihren Enkeln den Weg zu den französischen Existenzialisten öffnen, Jean Paul Sartre und seinem grossen Gegenspieler Albert Camus, dem Martin Meyer, der Chef des Feuilletons der „Neue Zürcher Zeitung“, soeben ein grosses Werk gewidmet hat.

 

Französische Filme, Zeichnungen und Comics haben einen ganz anderen Stellenwert als die amerikanischen. Wer, wie über 700 andere Schüler auch, den Weg zum Lycée Français in Zürich-Gockhausen findet, taucht in eine Welt ein, wo Leistung und Intellekt im Gleichgewicht stehen. Wissen es die Eltern nicht, erinnern die Grosseltern daran.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

 

Ilse Oehler

Lieber Haare auf den Zähnen …… als Rückstände auf den Lockenwicklern?

Nur schon meine Arbeit, Haarrückstände aus den Wicklern zu entfernen, gibt Anlass, sich wellenförmig in Erinnerung zu rufen wie der Tag abgelaufen und Gedankenmomente spielen sich ein. Und – es kann lustig und froh machen.

Was bewegte mich, bereits als junge Frau Zähne zu zeigen? Möglich, dass mich unmittelbar mein Spiegelbild mich in die Welt zurück versetzt, zu jenem Professor, frisch am Aufbau des Instituts an der Universität als seine persönliche Assistentin tätig. Der Arbeitgeber junger, wissenschaftlicher Assistenten, neben seiner Lehrtätigkeit auch aktiver Oberst im Generalstab der Schweizer Armee mit wirkungsvollen Forschungsprojekten im militärischen Umfeld. Entsprechend fanden Meetings im Bereich der Lehr- und Institutstätigkeit auf hohem Niveau in illustrer Gesellschaft an diesem grossen Tisch statt.

Anlässlich einer internen Besprechung mit Assistenten meinte der Professor zu mir: „Sie haben Haare auf den Zähnen“. Da stutzte ich. Er, der beinahe den Knigge 1:1 vorlebte, dazu augenfällig sparsam sich der kleinsten Bleistiftstümpel bediente, sagt dies völlig unverblümt. Mein Blick schweift in die Runde, stummes Verhalten im Raum. Provoziert mein Vorgesetzter oder was will er damit sagen? Nein, meinte er sofort lachend und entspannt: „Das ist ein grosses Kompliment an Sie“. Ja, damit ist umzugehen und biss mich von da an all die Jahre sorgfältig durch die Welt.
In einer Grossfamilie aufgewachsen gab die Mutter dort vornehm den Ton und den Takt an. Der Vater war nicht nur gross in Figura. Er unterstützte die anerkannte Führungsrolle seiner Frau, unserer Mutter. Was will ich andeuten, dass in einer 7-köpfigen Familie das Sichdurchbeissen – ohne bewusstes Zähnezeigen – früh ein Thema war, untergehen oder bestehen. Eine allgemeine Gleichschaltung junger Menschen, auch wie im Internat darnach, hat nie gefallen. Jedoch was dort beeindruckte, war die Disziplin im Alltag und, dass erst gelebte Individualität und Vertrauen einem jungen Menschen eine gesunde Basis beim Aufbau seiner Zukunft nützen kann.

FACTS:
Ja, heute sammelt Social Media gewinnorientiert weltweit Millionen Unentwegter ein. Sie bewegen sich wellen- und gleichstromförmig. Die Welt verlangt aber nach mehr differenziert handelnder, verantwortungsbewusster, grossartiger Menschen.
Individualität und Mainstream, beisst sich das? (http://de.wikipedia.org/wiki/Mainstream.) Dort liest sich von „Kulturdominanz“, spannenderweise auch von „Massengeschmack“.

Gesellschaft:
Früh beginnt deshalb was im Vaterland zum Wohle leuchten soll. Die Generation junger Erwachsener, Väter/Mütter, Grosseltern wollen immer wieder erinnert werden, wie wesentlich die ersten 5 Lebensjahre eines Kindes und die Schule für die Zukunft des einzelnen Menschen ist.
Unser Bildungswesen, Schulbehörden sind landesweit bis in die Gemeinden gefordert: Not ist am Mann. Denn gelingen muss der Balanceakt in Primar- und Oberstufen hin zum Doppelpaket: Wertvolle Lehrer und Lehrerinnen, unverwechselbare pädagogische Persönlichkeiten mit kommunikativer Handlungsstärke werden gefragt sein. Jedoch, ein Riegel muss heute geschoben werden, um auch die aufkommende Plage in den Griff zu bekommen, sprich: Jene vom Egotrip getriebenen Eltern, Väter und Mütter. Unverhältnismässig wird im Chor die Grenze des Mitspracherechts in den Schulen zum Teil respektlos überschritten. Dabei werden nicht nur die eigenen Kinder verunsichert, die Unruhe überträgt sich erweitert in die Schulzimmer. Ein Ansinnen, das rasant zunimmt und dem Bildungswesen sowie den betroffenen Lehrer und Lehrerinnen nicht weiter zugemutet werden kann.
Wirtschaft und Politik:
Rundum wird nach Menschen mit vernünftigem Einfluss gerufen. Bleiben wir am Ball. Stärken wir unser Bauchgefühl, unsere gesunde Wahrnehmung: Die zukünftigen Meinungsbildner, Entscheidungsträger, Männer und Frauen, sie sind unter uns. Werden wir diesbezüglich aufmerksamer.

Soziales:
Mein Zeugnis der Primarschule in den Händen sagte mein Vater vor meinen Geschwistern: „Im Rechnen hast du eine 1, im Singen eine 4, drum sing ich eins mit dir.“ War dies ein Wink mit dem Zaunpfahl: „Beiss dich durch, sonst bleibst du dumm und wirst nie erfolgreich?“ Oder möglicherweise? „Lass die Gier nach Geld, es gibt in deinem Leben auch andere Wertvorstellungen!“

Und das Ende meiner Tagesgeschicht‘: Dies alles nur wegen Lockenwicklern.

Zur Person:
Ilse Oehler, aufgewachsen im St. Galler Rheintal, pflegt als Vertrauensperson ein bewährtes, weitverzweigtes Beziehungsnetz aus ihrem beruflichen und persönlichen Umfeld. Ihr Hintergrund ist die langjährige Tätigkeit an der Universität St. Gallen, an der ETH Zürich, als Verwaltungsrätin in Unternehmen sowie in verschiedensten politischen und sozialen Organisationen.
Ilse Oehler wird von Organisationen und Unternehmen als Coach und Mentorin beigezogen wenn es darum geht, tragfähige Lösungen zu entwickeln und diese durch Erfahrung, Kompetenz, Kreativität und Kontakte zu fördern.

http://www.ilseoehler.ch