Braucht die Schweiz einen Rat der Ältesten?

PR Profi Klaus J. Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Noch nie seit vierzig Jahren habe ich die Spitzen der Schweizer Politik, den Bundesrat und die Parteipräsidenten, in einer derart chaotischen Stimmung erlebt, wie dies jetzt der Fall ist. Christoph Blocher hat mit seiner Masseneinwanderungs-Initiative das Land ins Chaos gestürzt, die Welschen tief beleidigt und auch seinem Heimatkanton Zürich einen kräftigen Tritt ans Bein gegeben.

Aussenminister Didier Burkhalter beschwert sich öffentlich über die konservativen Deutschschweizer, welche die erfolgreichen Westschweizer behindern und verunglimpfen. Gleichzeitig lässt er durchblicken, Erfolge für neue Verhandlungen mit der EU seien auf keinen Fall gesichert. Doris Leuthard, immer lustloser, ist völlig auf Tauchstation gegangen, ganz wie Eveline Widmer-Schlumpf und Simonetta Sommaruga auch. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat mit seiner Steuervergangenheit ohnehin einen Affen auf der Schulter sitzen, weshalb VBS-Chef Ueli Maurer jetzt nach Brüssel fliegen möchte, um dort die heissen Kartoffeln aus der Schüssel zu holen.

Unsere Bundesräte lassen jeglichen kohärenten Führungsanspruch vermissen, und mit ihnen die Parteipräsidenten. Da hilft es nichts, wenn Toni Brunner zur Ruhe aufruft; er ist es ja, der die Unruhe gestiftet hat. FDP-Präsident Philipp Müller wäre ohnehin lieber an Christoph Blochers Stelle, aber er kann nicht, weil sonst seine eigenen Parteilinken ihn verstossen würden.

Die Schweiz braucht einen Ältestenrat, einen Schweizer Areopag, der Ordnung herstellt, wo die Politiker offensichtlich dem Überblick verloren haben. Dieser sollte innerhalb von sechs Monaten einen Plan vorlegen, wie sich die Schweiz entwickeln soll: City State Switzerland nach dem Vorbild von Hongkong und Singapur oder ländliche Idylle à la Berner Oberland, wo die Kühe zwischen IT-Firmen weiden? Dieser Ältestenrat sollte auch darüber sprechen, in aller Unabhängigkeit, wie viel EU wir wollen (oder wie wenig), und was wir uns dies kosten lassen wollen?

Schliesslich brauchen wir eine Grossrisiko-Analyse: Was soll mit den Sozialversicherungen und –leistungen werden? Wie soll die künftig wieder wachsende Staatsverschuldung und die Privater unter Kontrolle gehalten werden? Wie viel leisten unsere Hochschulen wirklich für die Schweiz und was müssen unsere Kinder lernen, damit sie demnächst nicht arbeitslos werden.
Der Glaube daran, dass unsere Parteien und Politiker für gute Lösungen geeignet sind, ist auf ein Rekordtief gesunken. Ein Ältestenrat kann dem politischen Jungvolk wieder auf die Beine helfen.

Klaus J. Stöhlker, Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung, in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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