Sind wir Alten schuldig? Klaus J.Stöhlker*

KJS4-2004-03Von allen Seiten prasseln die Vorwürfe auf uns Alte ein: Wir würden zu viel AHV und zu hohe Pensionen beziehen. Wir seien schuld an der gewaltigen Umweltverschmutzung, welche unsere Städte und die Ozeane bedroht. Wir würden keine Energie sparen, weil unsere Häuser zu wenig gedämmt und Autos Benzinsäufer sind. Nun einmal ganz in Ruhe: Die jetzt über Sechzigjährigen haben die allseits gelobte und wohlhabende Schweiz aufgebaut. Sie haben oft Tag und Nacht gearbeitet, am Wochenende ohnehin. Sie haben alles gegeben für Sulzer und Rieter in Winterthur, für „GF“ in Schaffhausen, für die alte Ascom in Bern (ehe sie ruiniert wurde) und viele andere Firmen mehr. Sie waren auch die besten Bankiers der Welt und haben, zusammen mit ihren Kollegen von den Versicherungen, eine reiche Schweiz aufgebaut. Im Schutz des Bankgeheimnisses, das vor 35 Jahren noch mit aller Konsequenz verteidigt wurde, floss das Geld der wohlhabenden Ausländer, Millionäre und linke Edelfedern, an die Zürcher Bahnhofstrasse, nach Genf und Lugano. Die gleichen Alten bauten eigene Familien auf, leisteten Militärdienst und dienten dem Land freiwillig in vielen Funktionen in ihren Gemeinden und Kantonen. Sie gaben alles für ihr Land der Freiheit und zahlten Steuern. Jetzt kommen viele politisch Linksstehende und noch mehr Junge. Sie wollen das Geld der Alten: die Ersparnisse, die Versicherungen, die für einen Notfall zurückgelegten Goldmünzen. Sie sagen:“Ihr habt alles und wir zu wenig.“ Viele kommen gar nicht auf die Idee, Tag und Nacht für den eigenen Erfolg zu arbeiten. Sie kommen auch nicht auf die Idee, eine Familie zu gründen und Schweizer Kinder in die Welt zu setzen. Sie wollen es „glatt“ haben, „sauglatt“ sogar. Sie wollen nicht mehr nach Rimini, sondern gleich auf die pazifischen Inseln. Sie brauchen dazu 4-5 Wochen Ferien pro Jahr, ein Luxus, den wir nie in Anspruch genommen haben. Sie wollen die schicken Klamotten und nicht die gebrauchten Kleider des älteren Bruders. „They want it all and now“, wie die Amerikaner singen.

 

Wir Alten sind nicht geizig. Wir geben gerne, denn wir wissen, wie man Geld verdient. Wir wollen aber weder Staatsdiener, Beamte und Angestellte, „en masse“ finanzieren noch Jugendliche, die das Kämpfen verlernt haben. Dann müssten sie nicht Prosecco trinken, sondern echten Champagner, wie wir es getan haben.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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