Mit 50 beginnt die Todeszone

PR Profi Klaus J. Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker *

Wer die Chomolunga besteigen will, den höchsten Berg der Welt, den wir Mount Everest nennen, weiss, dass auf 8000 Metern die Todeszone beginnt. Wer dort persönlich oder mit der Ausrüstung einen Fehler macht, ist tot. Weil Nepal jetzt weitere 8000er zur Besteigung freigibt, um die Regierungskasse zu füllen, wird die Zahl der Toten zunehmen.

Nicht anders ist dies heute im oberen Mittelmanagement und im Topmanagement. Wer mit 50 Jahren nicht in einem Aufstiegskanal nach oben sitzt oder eine Führungsstufe erreicht hat, die ihn zum Entscheider über Leben und Tod macht, befindet sich in zunehmender Gefahr. Mit 50 beginnt im Management die Todeszone.

Bei uns, der Stöhlker AG, bewerben sich monatlich 2-3 Manager, oft Anfang 50, die eine neue Chance, „eine neue Aufgabe“, suchen. Schon der Einblick in ihre Lebensläufe zeigt, dass es sich um Männer oder Frauen handelt, die in ihrem Leben beruflich 8-12 gute Jahre hatten, dann aber einige Zeit von Beschäftigung zu Beschäftigung taumelten, die meist nach zwei Jahren zu Ende war. Sie schafften es nicht mehr, sich eine sichere Position zu verschaffen . Sie befanden sich bereits in der Todeszone.

Oft sind mir Menschen begegnet, gerade in Marketing und Kommunikation, die heute zu Modeberufen geworden sind, die bis zu ihrem 30. Lebensjahr gleichsam spielerisch lebten, dank ihres Charmes und ihrer „sozialen Intelligenz“ jeden Gesprächspartner „easy“ zu gewinnen vermochten, dann aber, wenn es um dauerhafte Leistung ging, versagten. Manche schafften es sogar bis Anfang Vierzig, aber dann brach die Berufswelt für sie definitiv zusammen. Viele wurden Aussteiger, noch ältere flüchteten sich in einen kurzfristigen „blackout“, noch mehr in einen einfachen „burnout“. Alle Fluchtwege bedeuteten nur eines: Todeszone erreicht.

Die ehrlichsten Headhunter rieten schon vor 20 Jahren jüngeren Führungskräften: „Bis 55 müsst ihr es geschafft haben.“ Sie meinen damit ein Vermögen und finanzielle Sicherheit. Heute muss man diese Schwelle angesichts der von der Globalisierung ausgelösten Entscheidungsgeschwindigkeit nochmals 5-10 Jahre tiefer ansetzen. Das ist natürlich traurig für viele Familienväter, die noch Kinder in der Ausbildung haben. Sofern sie nicht nennenswert geerbt haben, bleibt ihnen nur der Fleiss der Ehefrau oder (treuen) Partnerin als Zweitverdiener.

Wer nicht in diese Falle geraten will, muss spätestens mit 30 Jahren wissen, wo er beruflich erfolgreich sein will. Er muss mit 40 Jahren erste berufliche Höhepunkte gemeistert haben und mit 50 noch in bester geistiger wie körperlicher Verfassung sein, um weitere Angebote zu erhalten. Heinz Karrer, der Präsident der économiesuisse, ist der Musterfall eines solchen Karriereweges. Er, wie viele andere auch, jagen über die Langlaufloipen, klettern auf die höheren Berge, um ihre Fitness zu demonstrieren oder jagen ihre Edelvelos durch die Landschaft. Manchmal gibt es Opfer, die auf dem Mountainbike über den Hang abstürzen oder, wie Carsten Schloter, den frühen Abgang wählen.

Die Unternehmen haben keine Wahl. In den französischen Renault-Werken bei Paris kam es zu Massenselbstmorden der Mitarbeiter, weil der Druck zu gross war. Noch 2008 konnten wir beobachten, wie im Finanz- und Immobilienkrach an der Wall Street Führungskräfte aus den Fenstern sprangen.

Deshalb empfehle ich: Weil heute eine langjährige Karriereplanung für viele unmöglich geworden ist, muss sie dennoch gewagt werden. Es gilt die Regel, wie beim Schwimmen. Man muss schneller als das Wasser, schneller als die drohenden Ereignisse sein. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und beginnen Sie sofort, denn die gemütlichen Zeiten des 20. Jahrhunderts sind definitiv vorbei.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

3 Gedanken zu „Mit 50 beginnt die Todeszone

  1. Reto Spring

    <a href="" title=""Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben.“ „>(Alexis Carrel) Herr Stöhlker hat mir der Beschleunigung von Karrieren sicher recht, aber Persönlichkeiten zeichnen sich ja auch dadurch aus, Nein sagen zu können und Prioritäten zu setzen. Wir sind ja nicht Sklaven unserer Arbeit, niemand wird zu einer solchen Karriere gezwungen! In Anlehnung an den Schweizer Schriftsteller John Knittel, könnte man sagen: Alt ist man, wenn man an der vergangenen Karriere mehr Freude hat, als an der zukünftigen“. Reto Spring

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  2. Philippe Schwab

    Auch wenn mann früh tief durch Leben gehen musste (keine Rolex mit 50) kann das Leben mit wenig schön sein. Die Grenze des Genusses ist dann schneller erreicht. Mitnehmen bei Lebensende kann mann nichts.

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