Können wir unsere Welt verteidigen?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wer die Schweiz wenig verlässt oder vom Rest der Welt nur Sandstrände oder Kletterberge kennt, darf mit recht davon überzeugt sein: Wir leben im schönsten Land der Welt. Es mag für viele, die gerne Ramba-Zamba haben, ein wenig langweilig sein, aber dies hat den Vorteil, dass Langeweile und Sicherheit ein gutes Pärchen bilden.

Wieder für andere ist die Schweiz zu schnell geworden, auf den Strassen, sogar auf der Schiene und, ohnehin, in der Luft. Diese Geschwindigkeit der Abläufe, auch des Sprechens und Handelns, macht viele verrückt, die sich sehnsüchtig an die Goldene Zeit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts erinnern.

Die ernsthafte Frage stellt sich, ob wir unsere schöne schweizerische Welt verteidigen können und wenn ja, wie? Wenn Europa von Ausländern aus aller Welt überrannt wird, die dann noch mehr Ausländer per Handy und Gesetz zu uns locken, dann wird das alte Europa bald wieder jünger, sicher aber auch anders sein.

Um uns entstehen Gegenwelten, sei es in Schlieren bei Zürich, in Täsch vor Zermatt oder in vielen Genfer Gemeinden, wo die Zahl der Ausländer schon grösser ist als die der Einheimischen. Eine echte multikulturelle Vermischung kann ich nicht feststellen: Eriträer bleiben Eriträer und können nicht mit Afghanen und Syrern oder Menschen aus Kamerun. Das ist auch kein Wunder, denn jedes dieser Völker hat eigene Traditionen und Religionen, von denen diejenige des Islam noch eine der harmloseren ist.

Es kommt auf allen Ebenen zu Zusammenstössen. Im Heim geht man mit Eisenstangen aufeinander los, eine Afrikanerin sticht eine Schweizer Betreuerin nieder, kleine Diebstähle sind an der Tagesordnung. Man kann sich, ganz so, wie es heisst, nicht riechen. Wir als Schweizer haben es besonders schwer, denn unsere Kultur ist seit 2000 Jahren christlich geprägt. Das gilt auch dann, wenn wir nicht mehr zur Beichte oder in die Kirche gehen.

Im Bataclan in Paris war man gewarnt, wie vor allem jüdische Publikationen berichten. Dort wurde seit Jahren für die Grenzpolizei in Israel Geld gesammelt: Der jüngste Überfall war sogar angemeldet, aber ohne Datum. In Frankreich haben „Securité“, Polizei und Militär versagt. Wenn Staatspräsident François Hollande, den man „den Pinguin“ nennt, nun den starken Mann markiert, wirkt das eher lachhaft als glaubwürdig.

Wir sind seit einer Generation in Europa gewarnt worden vor dem kommenden „Grossen Marsch nach Norden“, nach Europa. Aber keiner unserer Politiker wollte dies ernst nehmen. Schlimmer noch, die USA und Frankreich haben im Norden Afrikas leichtsinnigerweise jene Staaten zerstört, die für uns ein Bollwerk bildeten. Das gleiche ist im Nahen Osten geschehen, wo die US-Amerikaner in blindem Übermut von George W. Bush den Irak und seinen Nachfolgern Syrien zerstören liessen. Ein Angriff auf den Iran, was zur sicheren Niederlage des Westens geführt hätte, konnte nur mühsam verhindert werden.

Und jetzt? Wenn die von uns gewählten Politiker unsere Welt nicht verteidigen wollen und können, was können wir tun? Wir können aktiv mitmachen überall dort, wo es um unsere Kultur geht. Wir müssen nicht die Faust im Sack machen, sondern sollen uns in den politischen Foren aktiv beteiligen. Sonst werden dies ehrgeizige Politiker für uns tun, die „mehr lafere als lifere“.

Wir müssen entscheiden, ob wir selbstbewusste Schweizer und Europäer sind. Hier geht es nicht um die EU, die Europäische Union, sondern um die Schweizer und die europäische Heimat. Bald sind nur noch acht Prozent der Weltbevölkerung Europäer. Bald wird die FIFA vielleicht von einem Araber oder Afrikaner geführt, weil wir unseren eigenen Leuten, darunter Joseph S. Blatter, nicht mehr trauen wollten. Sind dies nicht Zeichen des Untergangs?

Ich wünsche Ihnen deshalb Selbstvertrauen; Sie müssen aus den Medien auch lernen, was wichtig oder unwichtig ist. Wenn die Schweiz und Europa bestehen wollen, müssen wir alle künftig viel arbeiten und noch mehr lernen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Ist der islamische Staat ein Sonderfall?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Die radikalen Muslime sind mir so wenig lieb wie die unterprivilegierten Verrückten, die aus Europa in die arme und staubtrockene syrische Wüste ziehen, um dort ein neues Weltreich aufzubauen. Doch ist dieser Vorgang kein Sonderfall. Viele solcher revolutionären Reiche haben einige Jahrzehnte überlebt, zuletzt die kommunistische Deutsche Demokratische Republik (DDR), die an der Unfähigkeit ihrer herrschenden Klasse scheiterte.
Als die Deutschen im 19. Jahrhundert, ganz wie viele Schweizer auch, in das junge Amerika flohen, wollten die Deutschen keine „White Anglosaxon Protestants“ werden, sondern ein neues, besseres Deutschland in den USA gründen. Ein gewisser Karl Heinzen schrieb damals: „Lieber ein Indianer als ein Deutsch-Amerikaner.“
Die deutschen Flüchtlinge wollten sich damals so wenig integrieren, wie wir dies heute von den zuwandernden Muslimen erwarten dürfen. Was heisst denn Integration? Moslems als Kindergärtner oder Krankenhelfer müssen sich täglich fünfmal auf die Erde werfen, um auf einem Teppich Richtung Mekka zu beten. Sie feiern einen Monat lang Ramadan, womit tagsüber ausdauernde anspruchsvolle Tätigkeiten erschwert sind. Wie dies in den hektischen Arbeitsprozess zu integrieren ist, lässt sich heute kaum sagen. Kürzlich habe ich das konkrete Beispiel im Fall einer jungen Bernerin erlebt, die ihren Eltern in der Hotelküche aushalf. Die Teller rollten auf einem Fliessband hin zum Spülautomaten, als ein Afrikaner mit schmutzigem Nachschub langsam herankam und auf dem Fliessband eine Lücke zu entstehen drohte. Sie, die Bernerin, rief: „Schneller.“ Es kam die kulturell, aber nicht industriell zu verstehende Antwort: „In der Wüste rennen wir auch nicht.“
Der Islamische Staat, aufgebaut von hohen Offizieren Saddam Husseins, finanziert von arabischen Scheichs aus Saudi Arabien und Kuwait, mit US- und europäischen Waffen ausgerüstet, die sie von ihren Freunden erhielten oder selbst erobert haben, ist nun ein Rumpfstaat. Die Gerüchte sind nicht abwegig, dass auch US-Geheimdienste mitgespielt haben, um die syrische Herrscherfamilie zu stürzen.
Eigentlich ist dies ein Fall für die Europäer, denn es waren Frankreich und England, welche vor knapp hundert Jahren den „Vorderen Orient“ nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches neu aufgebaut haben. Dies erfolgte nach dem Modell. Ich gebe Dir einen arabischen Herrscher, wenn Du meinen in Ruhe lässt. Mit der arabischen Wirklichkeit hatte dies wenig zu tun.
Schwieriger noch, es handelt sich um Vielvölkerstaaten, die von ihren Gewaltherrschern über Jahrzehnte angemessen vernünftig geführt wurden. Den US- wie französischen Präsidenten gelang die Zerstörung dieser im Kern stabilen Strukturen, nicht aber deren Wiederaufbau.

In diese Lücke sind nun fanatische Moslems, geführt von enttäuschten aber nicht unfähigen Offizieren, vorgestossen. Wie mit dem Ruf „Deus volt“ (Gott will es) die europäischen Kreuzfahrer vor 900 Jahren zur Befreiung Jerusalems aufbrachen, angestachelt von der Römisch-Katholischen Kurie, wird Allah, was auch wieder Gott heisst, aufgeboten, nun nach Westen zu stürmen.
Die NATO soll nicht einmarschieren, die UNO kann nicht einmarschieren. Im Augenblick sind es die US-Amerikaner, die Franzosen und die Russen, welche den Versuch machen, die IS zuhause zu bekämpfen. Da die einheimische Bevölkerung sich klugerweise zurück hält oder gleich ins Ausland flüchtet, gibt es keine Bodentruppen, die sich dem stürmischen arabischen Jungvolk entgegen stellen.
Die Schweiz kann als Ort für Verhandlungen gute Dienste leisten, wenn die Grossmächte dies wollen. Wir haben allerdings keine Politiker, die von globaler Glaubwürdigkeit sind, unter deren Mantel ein Erfolg gesichert werden könnte. Bundesrat Didier Burkhalter, der bisher als Innen- wie Aussenminister keine Erfolge aufzuweisen hat, wird dieser Aufgabe so wenig gewachsen sein wie die ehrgeizigen „old ladies“ der Schweizer Diplomatie, Dreyfuss und Calmy-Rey.
Es sieht deshalb aus, als würde uns der IS einige Jahre erhalten bleiben. Daran kann niemand seine Freude haben, aber unschuldig sind wir nicht daran, dass er derart erfolgreich ist.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum die Macht von Dr.Christoph Blocher wächst

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Bundesrat Didier Burkhalter, der soeben an der EU gescheitert ist, sucht als globaler Mediator eine neue Aufgabe. Deshalb bestätigt er, was Dr. Christoph Blocher schon seit 30 Jahren sagt: „Die Schweiz eignet sich besser (als Norwegen und Österreich) für eine solche Aufgabe, weil sie nicht Mitglied der EU und der NATO ist.“ Burkhalter hockt damit auf den Schultern des Riesen aus Herrliberg.
Dieser hat dafür eingestanden, schon lange mit den grossen Wirtschaftsverbänden zu paktieren: Die SVP bekämpfte die 1:12-Lohninitiative, wonach kein Manager mehr als das Zwölffache seines einfachsten Mitarbeiters verdienen dürfe und die SVP wird auch gegen die Sommaruga’sche Frauenquote bei der Revision des Aktienrechts kämpfen. Als Gegenleistung bekämpfte die économiesuisse die erfolgreiche SVP-Masseneinwanderungs-Initiative nur „mit angezogener Handbremse“, wie die Sonntagszeitung schreibt. Die Wirtschaft hat sich also selber den knappen Blocher-Sieg in der Zuwanderungsfrage eingebrockt.
Derlei Tricks lösen bei Christoph Bocher jenes hustenähnliche Lachen aus, für welches er bekannt ist. Er bekämpft die bilateralen Verträge, wohl wissend, dass die Konzerne hinter ihm stehen. Die économiesuisse tut nur noch so und kalkuliert deren Kündigung durch die EU mit ein. Mir tun die bürgerlichen Parlamentarier leid, die bis zuletzt grosse Reden schwingen mussten, um dieses Vertragswerk zu verteidigen.
Derlei Schwenks sind eine Blocher’sche Spezialität; sie machen ihn zum politischen Gestalter. Deshalb kann er gar nicht so unglücklich sein, wenn seine drei SVP-Kandidaten für den zweiten Sitz im Bundesrat eher zweit- bis drittklassige Politiker sind. Thomas Aeschi aus Zug ist der typische schnelldenkende Unternehmensberater à la Lukas Mühlemann. Er arbeitet bei Booz Allan, einer McKinsey knapp vergleichbaren Unternehmensberatung, hat aber sonst kaum Lebenserfahrung. Er ist der totale Gegensatz zu Ueli Maurer, der aus dem Volk kommt.
Christoph Blocher hat in seiner Partei ernsthafte Personalprobleme. Bei Norman Gobbi aus dem Tessin ist nicht wichtig, was er in seiner Jugend an Dummheiten gesagt hat, aber wie er sich jetzt ausdrückt, hat er auf internationalem Parkett keine Chance, stellen wir ihn nur gegen die Aussenbeauftragte der EU oder den Aussenminister Österreichs, die beide jünger als Gobbi sind. Guy Parmelin taugt für solche Aufgaben noch weniger. Gobbi und Parmelin können auch kein Englisch, was als ernsthafter Nachteil betrachtet werden muss.
Blocher kann sich alles leisten, auch Fehler. Wie es aussieht, wird der ab dem 9. Dezember amtierende Bundesrat keine Spur stärker, wahrscheinlich aber schwächer als der bisherige. Auf die beiden FDP-Bundesräte Burkhalter und Schneider, deren Leistungsnachweis an Bescheidenheit kaum übertroffen werden kann, könnte man leichten Herzens verzichten. Doris Leuthard langweilt uns wenigstens nicht, aber ihre Energie- und Medienprojekte sind fragwürdig. Alain Berset steht mehr denn je auf verlorenem Posten.
Der Zustand unseres Landes, darin gehe ich mit Dr. Christoph Blocher einig, ist in vielem beklagenswert. Bisher hat aber auch er samt SVP nicht den Beweis erbracht, dass dies geändert werden kann. Trickli sind keine grosse Politik.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Kennen Sie Dr.Thomas Edward Gullickson?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Sie werden Dr. Thomas Edward Gullickson nicht kennen, obwohl er Ihr Schicksal in der Schweiz ganz erheblich beeinflussen kann. Es handelt sich um einen eher pausbäckigen US-Amerikaner, der in Bern am Autokennzeichen CD-BE 1 erkannt werden kann. Gullickson, der eine der grössten dunklen Limousinen in Bern fährt, ist der neue Nuntius der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz.
Er ist damit die direkt dem Vatikan unterstellte zentrale Aufsichtsperson, welche als „Seine Exzellenz“ alle Schweizer Bistümer auf ihre Rechtgläubigkeit hin überwacht und letztlich auch die katholischen Bischöfe auswählt, welche nicht nur unsere katholischen Pfarrherren bestimmen, sondern auch den Geist der Kirche prägen.
Offiziell wurde die Berufung bisher nur einem kleinen Kreis Auserwählter und Eingeweihter mitgeteilt. Das Schweizer Kirchenvolk („Chillebank-Christe“), einer der besten Kirchensteuerzahler und Spender für gute Dinge in der ganzen Welt, muss mit derlei nicht behelligt werden. Wir sind daran gewohnt, dass US-Amerikaner unsere Konzerne führen, warum nicht auch die Kirche?
Doch Dr. Thomas Edward Gullickson kommt in einer latent angespannten Zeit in die Schweiz. Der als sehr Rom-treu geltende Prälat sieht sich einer hunderte von Priestern umfassenden kritischen Gegnerschaft gegenüber, die jede seiner Bewegungen genau beobachten und kommentieren werden. Eine seiner wichtigsten Aufgaben wird es sein, das Bistum Chur zu teilen, indem Zürich nach 200 Jahren einen eigenen Bischof erhält. Monsignore Martin Grichting in Chur wäre dafür zweifellos ob seiner scharfen Intelligenz und Rom-Treue geeignet, aber das Zürcher und Innerschweizer Volk würde mit grossem Beifall wohl nur den Einsiedler Mönch Martin Werlen, vormals erfolgreicher Abt dieses Klosters und international bekannter Buchautor, begrüssen. Martin Grichting werfen seine eigenen Glaubensbrüder Zynismus vor, Mönch Martin gilt der römischen Kurie als zu progressiv in vielem, obwohl sein Bekenntnis zum amtierenden Papst, Franziskus I., als echt gelten darf.
Auch das Bistum Fribourg, eines der grössten der Schweiz, soll geteilt werden. Die Genfer warten schon lange auf einen eigenen Bischof. Dieser wird einem der multikulturell anspruchsvollsten Bistümer der Schweiz vorstehen müssen, dessen globale Ausstrahlung gross sein wird. In der hohen Genfer Diplomatie braucht man einen römisch-katholischen Bischof von Weltrang, der auch in den Seegemeinden gut aufgenommen wird. Dies alles muss Seine Exzellenz Dr.T. E. Gullickson glücklich einer Lösung zuführen.
Die Aufgabe, der rk Kirche in der Schweiz wieder Leben einzuhauchen, gilt nur deshalb als leicht, weil es der Reformierten Kirche, wo die Zahl der Austritte grösser ist, viel schlechter geht. Letztlich sind es die Freikirchen, wohin sich der liberale und gebildete obere Mittelstand flüchtet, wenn er seinen Glauben leben will.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Ist reich sein, eine Sünde?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Gestern kam die Bankangestellte, welche mich immer am Schalter bedient, aus Namibia zurück und sagte: „Schrecklich, wie die Einheimischen dort leben.“ Nur einige Flugstunden südlich von uns leben die Menschen in absoluter Armut. Wer dann in die Schweiz zurück kehrt, erlebt den eigenen Wohlstand neu und intensiv. Das löst bei sensiblen Menschen einen Schock aus.
Ist reich sein, eine Sünde? Der Unterschied zwischen reichen und armen Gesellschaften, zwischen reichen und bitter armen Menschen, hat in der letzten Generation deutlich zugenommen. Früher sagten die Reichen bei uns: „Ich kann am Tag auch nur ein Schnitzel essen.“ Heute wissen wir, dass sie über Schlösser und Burgen, dazu eigene Flugzeuge, Pferdeställe und Rennboote verfügen, soweit es Männer sind, oft auch über immer jüngere Frauen, die den Charme des grossen Geldes geniessen und die Falten des Alten dafür akzeptieren.
Warren Buffett, der Gründer von Berkshire Hathaway, einer der drei reichsten Männer der Erde, Freund von Microsoft-Gründer Bill Gates, hat bereits Milliarden verschenkt, aber es will ihm nicht gelingen, ärmer zu werden. Im Wallis sagt man dazu: „Der Teufel scheisst immer auf den gleichen Haufen.“ Es war Warren Buffett, ein älterer Herr, der über die Kapitalisten kürzlich sagte: „Leider haben wir gewonnen.“ Über wen gewonnen, die 99% der anderen, die nie im Leben den Glanz der Schweiz geniessen können.
Wir Schweizer sind reich, wenn auch nicht alle, und wir spenden viel. Jedermann hat einen Freund oder einen Verwandten, der in Bolivien ein Dorf versorgt, in Nicaragua Schulen bauen lässt oder in Indien Brunnen bohrt. Vor allem Lehrer, Pfarrer und andere Staatsangestellte scheinen ein penetrant schlechtes Gewissen zu haben. Ein älteres reformiertes Pfarrer-Ehepaar kein leicht einmal Fr. 250 000.—im Jahr verdienen, ein Lehrerehepaar sogar noch mehr. Die Bundesangestellten in Bern verdienen im Schnitt Fr. 127 000.– im Jahr. Wo zwei miteinander beim Bund arbeiten oder dort sogar Karriere machen, fliessen grosse Beträge.
Wo die Leistung nicht identisch mit der Bezahlung ist, das gilt auch für Führungskräfte in der Wirtschaft, entsteht automatisch ein schlechtes Gewissen. Jahrelang hat mich in Zürich die Frau eines Unternehmers angerufen und um Geld für ihre Zöglinge gebettelt. Meine Frau sagte dazu immer: „Warum gibt sie nicht selber mehr?“ Offensichtlich ist Geld sammeln schöner als Geld geben, Bob Geldoff, ein englischer Musiker hat damit Weltruhm erworben und den Titel „Sir Bob“. Das gilt viel in England, wo merkwürdige Sitten nicht selten sind.
Das Leben, das uns in der Bibel „in Fülle“ versprochen wird, ist oft ein Traum. Wenn diese Träume platzen, wie es derzeit bei der FIFA unter dem Angriff der US-Anwälte geschieht, oder bei Volkswagen, wo der Gestank der versteckten Abgase den guten Ruf eines deutschen Weltkonzerns verdunkeln, dann bleiben nur Scherben, gebrochene Karrieren, das Gefühl, die Welt breche zusammen.
Die UBS war einst der stolzeste Schweizer Bankkonzern. Er verdiente viel Geld, das auch Wohlstand für viele brachte. Heute wird er von Axel Weber, einem Deutschen, regiert. Wir wissen nicht wirklich, ob wir unser Geld dort lassen sollen oder nicht. Ob UBS oder Credit Suisse, die Verwalter von grossen Vermögen haben für kleine Vermögen unter zehn Millionen Franken kaum noch Zeit übrig. Wo, wie in Asien, die Milliardäre aus dem Boden wachsen, wird das alte europäische Geld des oberen Mittelstandes unbedeutend. Es ist höchstens dem Risiko eines Bankzusammenbruchs ausgesetzt.
Was tun? Weihnachten stehen vor der Tür. Geben wir das Geld für Geschenke aus: Eine neue TAG Heuer von Jean-Claude Biver, einen grossen Humidor, gefüllt mit Cigarren von Heinrich Villiger, eine Reise nach Monaco, weil Armut dort garantiert nicht sichtbar wird.
Reich zu sein, ist keine Sünde, oft aber eine Last. Möge es für Sie eine süsse Last bleiben.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum Peter Brabeck die Rätsel der Zukunft löst

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Was die Zukunft der Menschen in Europa angeht, hören wir zu viel auf unsere Politiker, die meist nicht mehr wissen, als wir selbst. Wir lesen dicke Bücher von Schweizer, deutschen und angelsächsischen Wissenschaftlern. Täglich wühlen wir uns lesend durch die „Neue Zürcher Zeitung“, die „Frankfurter Allgemeine“, die „Financial Times“ und „Le Monde“, durch „Foreign Affairs“ und den „Spiegel“. Unsere Verwirrung steigt ins Grenzenlose. Was wird wirklich geschehen?
Dazu genügt die Lektüre des „SonntagsBlick“ vom 15.November 2015, wo Peter Hossli, ein erfahrener Journalist, Peter Brabeck-Letmathé, den VR-Präsidenten des Nestlé-Konzerns, interviewt. Brabeck weiss es und Brabeck sagt es. Es ist die Wahrheit, eine zugegebenermassen schreckliche für viele, aber Brabeck, der ein charmanter Österreicher ist, war dies so wenig bewusst wie seinem Interviewer, Peter Hossli, weshalb ich den Kern dessen, was einer der bedeutendsten Industriellen der Welt aussagt, zusammen fasse.
Auf die Frage, ob E-Commerce Arbeitsplätze kostet, antwortet Brabeck: „Wir erleben die vierte industrielle Revolution, in der Wirtschaftswachstum ohne neue Jobs entsteht. Das birgt soziale Spannungen.“ Die Folgefrage „Beschäftigt Sie das Flüchtlingsproblem?“ beantwortet Brabeck mit den Worten „Es ist doch besser und wichtiger, 500 000 Menschen in einer Notsituation zu helfen, als noch eine Schönheitsreparatur vorzunehmen, die keiner braucht. Wenn die dann später Grundnahrungsmittel kaufen und an unserem Konsum teilhaben, umso besser.“ Nestlé ist Hersteller solcher Konsumgüter für Menschen, Hunde und Katzen.
Brabeck kündigt „eine riesige Herausforderung“ an uns Europäer an, weil die Menschen aus Westafrika in den Norden wandern würden, und sagt: „Wir können noch so viele Zäune bauen, das nützt nichts. Die sozialen Spannungen müssen wir aushalten können.“
Wenn dieser Blogtext Ihnen jetzt schon langweilig wird, sollten Sie durchhalten, denn das Schönste kommt erst.
Brabeck beschreibt, geführt von Peter Hossli, im „SonntagsBlick“, wie er sich seine Zukunft, die eines mehrhundertfachen Millionärs, vorstellt: „Ich bin Präsident der Formel-1-AG.“ (Anm.: Wo Rennautos immer um Kurven fahren). Meine Lieblingsbeschäftigungen sind die Gletscherfliegerei oder das Helikopterfliegen.“ Er freut sich auch sehr auf seinen neuen PC-24-Jet, mit dem er „auch ein bisschen in der Welt herumfliegen wird“. Brabeck will auch mehr auf die Riederalp im Oberwallis kommen, wo er die Hotels seiner Freunde Art und Andreas Furrer seit Jahren sehr attraktiv ausbaut. Eine Kaviarfarm im Mittelwallis rundet das Brabeck’sche Leben ab.
So weit, so gut, aber was können wir daraus lernen? Die normalen Menschen müssen gleich zweimal soziale Spannungen auszuhalten lernen: Sie haben keine dauerhaften Arbeitsplätze mehr und müssen dem Druck der zuwandernden Afrikaner standhalten. Die Mittelklasse braucht auch keine Schönheitsoperationen mehr; am besten ist für sie, sich vor den Fernseher zu setzen und die Formel 1-Rennen zu betrachten, um Brabecks wie Bernie Ecclestones Werbeeinnahmen zu steigern. Dazu können sie den Kaviar aus dem Hause Brabeck schlürfen. Dieser fliegt derweil mit dem Heli über die Walliser und Berner Alpen, um einfachen Chaletbewohnern etwas Unterhaltung zu bieten. Mit seinem neuen PC-24-Jet entkommt er leicht jener traurigen Wirklichkeit, der sich der Rest des Volkes zu stellen hat.
Fragen Sie sich nicht mehr, wie die Zukunft aussehen wird. Genauso, wie der Nachfolger von Heinrich Nestler und Helmut Maucher sie beschreibt, wird es werden. Schlimmer noch, so ist es bereits.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum werden überall Retter gesucht?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn ich auf unserer Terrasse sitze, vergehen keine zwanzig Minuten bis ich die Sirenen von Rettungswagen höre, welche die Forchstrasse hinauf und hinab rasen. Es sind Retter für ältere Menschen, die einen Zusammenbruch erlitten haben und kurz vor dem Exitus stehen.
Die Sirenen der Schweizer Innenpolitik wurden im Spätsommer angeheizt von zwei Berner Unternehmern, Hansjörg Wyss und Jobst Wagner, beides Multi-Milliardäre, welche die Schweiz vor Dr. Christoph Blocher retten wollten. Angefeuert von einer cleveren Berner PR-Agentur, die den „Vorteil Schweiz“ in mehr Offenheit gegenüber der EU sah, spendeten sie Millionen. Weil dies wenig brachte, vor allem angesichts des klaren Wahlsiegs der SVP, zogen sich beide nun zurück „ins zweite Glied“, weniger Zeit für derlei vorgebend, etwas Geld für den Übergang hinterlassend.
Derlei politische Laienkunst verblasst angesichts des Einsatzes, den die „Manne und Fraue“ rund um Christoph Blocher seit über 30 Jahren geleistet haben. Ich stehe Blochers Politik nicht nahe, aber seine Leistung als Politiker kann nicht bestritten werden. „Retter“ haben bei ihm kaum eine Chance.
Nicht weniger absurd sind die Aufsätze des Siemens-Erben Carl von Siemens, der Name wie Titel seinem Ururgrossvater Werner von Siemens verdankt. Als Schriftsteller und Journalist (von dem sonst kaum etwas zu vernehmen ist), beklagt er nun den Bau eines Siemens-Staudamms inmitten des Amazonas. Der sich edel gebende Ururenkel, immer noch vom Werk seines Ururgrossvaters lebend, tritt diesem krachend in den Hintern.
Die Dekadenz der Erben wird nur übertroffen von der Dekadenz der Politiker. Als Bundesrätin Doris Leuthard unlängst zu aller Erstaunen einen Anstieg der Energiepreise forderte, applaudierte ihr kein geringerer als Jean-Michael Cina, Staatsrat im Wallis, als Präsident der Organisation der Kantonspräsidenten. Beide sind alte CVP, damit ist die Sachlage geklärt.
Cina steht einem zusammenbrechenden Markt für Ferienwohnungen gegenüber. In Crans-Montana und Verbier haben die Walliser Immobilienfürsten übertrieben. Sie spekulierten auf steigende Preise und haben nun die Malaise. Im Val d’Isère, in Méribel und Chamonix geht weiterhin die Post ab, nicht aber im Wallis, wo man nicht auf „action“ setzte, sondern das Wallis „ins Herz gemeisselt“ sehen will. Kein Trost, dass auch die Bündner Geissböcke ihren Reiz verloren haben und St. Moritz mit über sieben Prozent sinkenden Immobilienpreisen Rekordhalter ist. Hanspeter Danuser wurde von den eigenen Hoteliers entthront und durch eine Skiläuferin ersetzt. Selber schuld.
Wir werden künftig noch mehr Retter brauchen, denn die bescheidene Denkweise der Standardweisen bringt keine Rettung. Die Schweiz ist reich, aber auf dem Abstiegsweg. Alter Reichtums täuscht noch ein wenig darüber hinweg.
*Klaus J.Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Immer und überall verfügbar?

Prof. Dr. Stephan Wirz

Prof. Dr. Stephan Wirz

Die Arbeitsmarktzahlen verschlechtern sich. Die Roboter sind auf dem Vormarsch. Die gerade den Dienstleistungssektor erfassende Automatisierungswelle wird jeden zweiten Arbeitsplatz vernichten. Das sind einige der Schlagzeilen, die uns die letzten Tage erreichen. Seit geraumer Zeit gewöhnen wir uns bereits daran, dass nicht nur Produktionsstätten, sondern auch interne Dienstleistungen international tätiger Unternehmen ausgelagert werden. Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie plötzlich das „Angebot“ erhalten, Ihren Beruf nicht mehr in Oerlikon, Zug oder Baden, sondern in Krakau, Wroclaw oder Delhi auszuüben. Sie sind doch flexibel?

Keine Frage, unser Berufsleben ändert sich – und die Ansprüche, die an unsere Flexibilität und Mobilität gestellt werden. Durch die modernen Kommunikationstechnologien sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch ausserhalb der Arbeitszeiten, am Wochenende oder in den Ferien erreichbar. Auch hier gilt: Was technisch möglich ist, wird auch umgesetzt. Zunächst wird es zur ein- oder zweimaligen Ausnahme („es tut uns leid, Sie in den Ferien stören zu müssen“), schliesslich zur Norm und allgemeinen Erwartung. Der tägliche Check der beruflichen E-Mails in den Ferien ist vielerorts bereits Routine.

Für Schlagzeilen sorgte im vergangenen Herbst das Ansinnen amerikanischer Firmen wie Apple und Facebook, dass Mitarbeiterinnen gegen Geld ihre Eizellen einfrieren lassen und den Kinderwunsch aufschieben sollen. Dadurch könne das Unternehmen einen Know-how-Verlust vermeiden und die Frauen ihre Karriereplanung ungestört fortsetzen. Ob der richtige Zeitpunkt fürs Kinderkriegen erst mit der Pensionierung einsetzt, das haben uns die Firmen nicht verraten. Ob diese Unternehmen, die sicher für sich den Anspruch der Nachhaltigkeit einfordern, auch an ihre Kunden der nächsten Generation denken? Die gibt es dann vielleicht aber gar nicht mehr …

Überfordert die mobil-flexible Arbeit den Menschen? Oder aber ermöglichen die modernen Technologien ganz neue Arbeits- und Lebensmodelle? Home Office kann dazu beitragen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestärkt wird. Wachsen uns nicht die Pendlerströme ressourcenmässig über den Kopf? Verbringen wir nicht allzu viel Zeit in S-Bahnen, Intercity-Zügen oder im Auto? Hier könnten moderne Technologien ebenfalls Abhilfe verschaffen. „Work smart!“ lautet deshalb das Motto der Stunde.

Die Paulus-Akademie in Zürich greift diese Thematik an der Abendveranstaltung vom 30. November 2015 auf, mit interessanten Referenten wie Prof. Daniel Hell von der Privatklinik Hohenegg und Dr. Johann Weichbrodt von der Fachhochschule Nordwestschweiz.

 

Unsere besten Tage kommen erst noch

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

In diesen Tagen der Unsicherheit und oft auch des Jammers, den wir von jenseits unserer Landesgrenzen vernehmen, kann der Glaube an die Zukunft der Schweiz leicht verloren gehen. Eric Gujer, der bedeutende Chefredaktor der „Neue Zürcher Zeitung“, hat uns soeben aufgerufen, mehr Mut zu zeigen. Constantin Seibt, einst Vordenker der Schweizer Kulturlinken, heute beim „Tagesanzeiger“, haut schreibend in die gleiche Kerbe.
Sind wir wirklich alle mutlos geworden? Ich denke nicht. Wer sich den neuen Entwicklungen anpasst, die den Trends der Globalisierung folgen, wird zu den Gewinnern gehören. Wer meint, er könne auf alle Zeit und ewig vom Erbe seiner Vorfahren leben, ist mit Sicherheit ein Verlierer.
Unsere besten Tage kommen erst noch. Das gilt in erster Linie für Menschen, die einen Blick für Vorgänge haben, die sich im Ausland abspielen: Die Krise der EU ist eine Chance für die Schweiz, die Krise der Deutschen Bank ist eine Chance für unsere Grossbanken. Die Krise von Volkswagen ist eine Chance für unsere Automobilzulieferer. Die Krise der „Neue Zürcher Zeitung“ ist eine Chance für die ausländische Konkurrenz. Das ist die andere Seite des Wettbewerbs.
Dreissig Prozent der Schweizer Bevölkerung zahlen keine oder nur wenig Steuern. Jeder fünfte Bezüger von Gesundheitsdienstleistungen zahlt seine Krankenkasse nicht. Das gilt auch für Steuerzahler, die auch die dritte Mahnung nicht beachten. Sie bleiben stimmberechtigt; warum eigentlich?
Wer pleite ist, hat kein Lebensrecht mehr, sagen die Profis. Bern an der Spitze, sind unsere Bergkantone alle pleite. Warum sollen teure Politiker mit teuren Pensionen dort so tun, als seien sie verantwortungsbewusste Staatslenker? Das Oberwallis kann vom Kanton Bern übernommen werden, was den Bernern sicher gut tun wird. Die Mittel- und Unterwalliser werden dem Waadtland zugeschlagen, wo sie heute schon zuhause sind.
Auch für einen St. Galler oder Solothurner Hochmut gibt es keinen Grund mehr. Beide Kantone sind ausgeblutet und sollten, damit der Aufwand sinkt, einem Kanton Ostschweiz oder Nordschweiz zugeschlagen werden.
Unsere besten Tage kommen erst noch, aber nur unter der Voraussetzung, dass wir unser Schweizer Innenleben vereinfachen. Mit barocken mittelalterlichen Strukturen kommen wir kaum weiter, zumal die Steuervergünstigungen laufend abgebaut werden, womit die Innerschweizer Steuerschlupflöcher, sei es Teufen oder Schwyz, ein Ende finden.
In Zukunft wird die Schweiz mehr aussehen wie die Metropolitanregionen Zürich und Lausanne. Dort wird sich ein buntes Volk aus aller Welt bewegen, das unserer Jugend Tempo, Kraft und Eleganz vermittelt. Dann werden die Tessiner, die Bündner, die Berner und die Walliser auch wieder Lachen lernen, freundlich sein und Freude vermitteln, wie es ein Schweizer der neuen Art, Adolf Ogi, längst zu vermitteln suchte.
Wen brauchen wir dann nicht mehr? Auch dieser Frage wollen wir uns stellen. Die sauertöpfischen Verteidiger alten Wohlstands, die nichts mehr wagen, weil sie zu viel haben, sollen ihre Renten und Vermögen langsam verzehren. Aus dem Volk kommen junge Unternehmer, Schweizer, Halb-Schweizer, Viertel- und Achtelschweizer, dazu Juden, Moslems und Hindus. Unsere Medien, ohnehin halb im Verwesungszustand, leisten dieser intellektuellen und materiellen Vielfalt noch Widerstand. Sie werden lernen oder verschwinden.
Acht Millionen Schweizer sind nicht das Ende der Fahnenstange. Jetzt kommt die Neun-Millionen-Schweiz. Da wir Älteren langsam verschwinden, aber zwanzig Jahre sind eine kurze Zeit, werden Junge an unsere Stelle treten. Wahrlich, heitere Zeiten stehen an.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Sind wir Schweizer mutlos?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Samstag, der 31. Oktober 2015, war ein ganz besonderer Tag. Während draussen eine warme Herbstsonne schien und die Menschen, durchaus vergnügt, ihre Einkäufe machten oder in die Berge flohen, schrieb NZZ-Chefredaktor Eric Gujer auf der Titelseite „Die Republik der Mutlosen“. Er meinte uns Schweizer. Wir erschöpften uns in Negativszenarios, sei es vor dem Monster EU oder einem Rechtsrutsch.

Gujer, der die NZZ-Leitartikel zehn Tage im Voraus planen lässt, damit sie an Substanz gewinnen, hatte an diesem Tag einen Mitdenker im linksliberalen „Tagesanzeiger“, den Reporter Constantin Seibt, einen originellen Kopf, der seine Sporen bei der „WoZ“ verdient hatte. Seibt schrieb ebenfalls von der Mutlosigkeit der Schweiz, wie sie sich in der SVP ausdrückt. Die Schweiz beschäftige sich zu viel mit der eigenen Geschichte, während die kalifornischen Ingenieure von Google und Facebook unsere Welt und die Schweiz verändern.

Diese ebenso merkwürdige wie bemerkenswerte Koalition zwischen NZZ-Chefredaktor und Tagi-Reporter, welche die Schläfrigkeit unserer Politik, Wirtschafsführer und Menschen, ganz allgemein, ins Scheinwerferlicht der Medienöffentlichkeit stellt, zeigt: Wir haben tatsächlich ein Problem.

Am gleichen Samstag, diesmal im „St. Galler Tagblatt“, das zur NZZ-Gruppe gehört, aber deren politisches Niveau bei weitem nicht erreicht, wird auf das Stück einer einheimischen Autorin, Rebecca C. Schnyder hingewiesen, das im dortigen Stadttheater zur Aufführung kommt. Am Beispiel der untergegangenen Stickereiindustrie, die St. Gallen einst prägte, fordert die Jungautorin Ihre Landsleute auf: „St. Galler, seid mutiger.“

Wir haben ganz offensichtlich in der Schweiz ein Mut-Problem; überall zeigt sich die Welt als fortschrittlich, aber uns gelingen keine grossen Sprünge mehr, sondern nur noch Hopser. Der Fortschritt findet nur noch dort statt, wo Ausländer das Ruder übernommen haben.

Ist die Schweiz, sind wir Schweizer eingeschlafen? Ganz stimmt dies nicht, denn viele unserer Besten zügeln seit über zwanzig Jahren in die Bastionen des Fortschritts: Silicon Valley, MIT/Boston oder direkt an die Wall Street. In Londons City finden sich Hunderte junger Schweizer, die dort in den Finanzinstituten Karriere gemacht haben, nicht viel weniger in Singapur und Hongkong.

Für sie alle ist es offensichtlich wenig reizvoll, in unser Land zurück zu kehren. Die Grossbanken bauen Arbeitsplätze ab und die Industrie eifert den Banken nach. Nach Prof. Lässer von der Universität St. Gallen soll unser Land wieder zum „Spielplatz der Welt“ werden, wie es dies im 19. und 20. Jahrhundert für die jungen Engländer schon einmal war.

Jedes dieser Projekte heisst mehr Armut für den Normalschweizer. In einer bis zwei Generationen werden die meisten Erben ihr Spielgeld, welches sie von ihren Familien erhalten haben, wieder vertan haben. Weder in Bern noch in den Parteien noch an den Hochschulen hat irgendjemand eine Idee, wie das zu verhindern ist.

Derweil kaufen sich arabische Fürsten mit grossem Tempo in der Schweiz ein. Von diesen Renten werden wir nicht ewig leben können.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Offentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH